Neues Privatmuseum in Berlin : Locker aufgetürmt

Moderne Schatzkiste: Der Pfefferberg bekommt ein privates Museum für Architekturzeichnung. Star-Architekt Sergei Tchoban hat es erbaut – und zeigt zum Auftakt Blätter von Piranesi.

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Hingucker. Das neue Museum für Architekturzeichnung der Tchoban Foundation am Galerien- und Kulturort Pfefferberg.
Hingucker. Das neue Museum für Architekturzeichnung der Tchoban Foundation am Galerien- und Kulturort Pfefferberg.Foto: Roland Halbe

Nicht wenige Privatsammler haben das Bedürfnis, irgendwann ihre Schätze der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie bauen ein Museum oder machen den Museumsbau zur Bedingung für eine Schenkung oder Dauerleihgabe. Andere sorgen dafür, dass ihre Sammlung zum Nukleus für eine lebendige Museumsinstitution wird. Wie jüngst Gudrun Selinka in Ravensburg, deren Expressionisten-Sammlung Grundstock für ein städtisches Kunstmuseum wurde, das nun einen regulären Ausstellungsbetrieb begann. (Das von LRO Architekten entworfene Gebäude ist übrigens gerade mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet worden.) Auf ähnliche Weise ist nun Berlin zu einem neuen Museum gekommen.

Auf dem ehemaligen Brauereigelände Pfefferberg, in direkter Nachbarschaft von Aedes und Olafur Eliassons Atelierbetrieb, öffnet am 4. Juni das neue Haus der Tchoban Foundation für das Publikum – ein Museum für Architekturzeichnung.

Sergei Tchoban, Partner im Berliner Büro nps tchoban voss und im Moskauer Büro Speech Tchoban & Kuznetsov, ist selbst einer der bedeutendsten Architekturzeichner, der mit eigenen Ausstellungen im In- und Ausland präsent ist. Er ist aber auch Sammler, Förderer, Impresario und Kurator dieser Kunstsparte, die mit dem Aufkommen des CAD, des architektonischen Entwerfens am Computer, ihre Bedeutung als Gebrauchsgrafik in der Baupraxis verloren hat und heute zum Bereich der schönen Künste zählt.

Seine Sammlung bedeutender Blätter aus sechs Jahrhunderten mit Schwerpunkten im 17. und 18. Jahrhundert sowie russische Konstruktivisten der zwanziger Jahre hat er zum Großteil in eine Stiftung eingebracht. Wenn nun die von Sponsoren unterstützte Stiftung ein Museum betreibt, dann nicht nur, um die eigene Sammlung zu zeigen. Tchoban hat ein internationales Netzwerk aufgebaut und beispielsweise mit Ausstellungen in der Eremitage St. Petersburg, in der Académie des Beaux Arts in Paris oder demnächst, ab 20. Juni, im Soane’s Museum London den Grundstein für gegenseitigen Austausch gelegt.

Das Soane’s bestreitet denn auch die Eröffnung mit einem Paukenschlag: „Piranesis Paestum – Neuentdeckung der Meisterzeichnungen“, mit raren Handzeichnungen des Künstlers, der für seine berühmten Kupferstiche der „Imaginären Gefängnisse“ und der römischen Veduten sonst nur Vorskizzen angelegt hatte. Den Zyklus der Tempel von Paestum hat Giovanni Battista Piranesi1788 im letzten Lebensjahr mit schwindenden Kräften als detaillierte Ansichten gefertigt, damit sie sein Sohn in Kupfer stechen und postum veröffentlichen konnte.

Das neue Berliner Museum ist der ideale Ort für derlei Kabinettausstellungen. Für das auf kleinstem Grundriss am Pfefferberg aus vier nahezu geschlossenen Kuben locker aufgetürmte Museum zeichnet Tchobans Moskauer Büro Speech verantwortlich. Die Wände aus sandsteinfarbenem Beton sind mit Fassadenreliefs dekoriert, die als Motive stark vergrößerte Fragmente aus Zeichnungen der Sammlung zeigen, die sich aufzufächern scheinen wie ein Stapel Blätter. So wird die Zweckbestimmung des Baus schon von außen deutlich gemacht. Im Inneren wirkt es, sorgsam detailliert und in edlen Materialien ausgeführt, wie ein Schatzkästchen.

Auf den Empfang mit kleiner Präsenzbibliothek folgen zwei Ausstellungsgeschosse und eine Depotebene. Bekrönt wird der hermetische Bau von einem gläsernen Kubus mit Rundumsicht und zwei Dachterrassen, in dem Kuratoren und Verwaltung einen wunderbaren Arbeitsplatz vorfinden.

Das Haus ist nicht nur Blickfang und attraktive bauliche Bereicherung des sich kraftvoll entwickelnden Pfefferberg-Areals, es ergänzt auch den Kulturstandort der Galerien und Ateliers von internationaler Strahlkraft um einen gewichtigen Baustein.

Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, Eröffnungsausstellung bis 31. August, Mo-Fr 14-19 Uhr, Sa 13-17 Uhr, www.tchoban-foundation.de

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