Nicola Sanis „Falcone“ in der Staatsoper : Illusionslos

Vor 25 Jahren wurde Giovanni Falcone von der italienischen Mafia getötet. Benjamin Korn inszeniert Nicola Sanis Kurzoper über den Richter in der Werkstatt der Staatsoper.

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Andreas Macco (Giovanni Falcone) und Klaus Christian Schreiber (Der Zuschauer/Ein Kollege/Ein Freund).
Andreas Macco (Giovanni Falcone) und Klaus Christian Schreiber (Der Zuschauer/Ein Kollege/Ein Freund).Foto: Gianmarco Bresadola

Benjamin Korn ist nicht nur ein renommierter Regisseur, sondern auch ein glänzender Essayist. In einem 2015 im Tagesspiegel veröffentlichten Text analysiert der Autor den Zusammenhang zwischen der römischen Möwenplage und italienischer Bürokratie, in der sich öffentliche und private (vulgo: mafiöse) Müllentsorgung als korrumpiert erweisen. Korns meisterhaft zwischen Reportage und Allegorie changierender Tonfall prädestiniert ihn geradezu zum Regisseur von Nicola Sanis Kurzoper „Falcone“ in der Werkstatt der Staatsoper.

Giovanni Falcone war als Untersuchungsrichter die zentrale Figur im spektakulären „Maxiprocesso“, der in den 1980er Jahren zur Verurteilung von fast 400 Mafia-Größen führte; 1992 fiel er, wie seine Ehefrau und drei Bodyguards, einem verheerenden Sprengstoffanschlag zum Opfer. Ausgangs- und Endpunkt der Komposition ist eine Flugreise Falcones, die dem Attentat unmittelbar vorausging. Von hier aus wird auf die zentralen Ereignisse seines Kampfes gegen die Mafia rück- und auf den Schauplatz des Auftragsmords vorausgeblendet.

Galgenhumorige Einlagen

Neben Andreas Macco, der den Titelhelden mit profunder Stimme und zurückhaltendem Spiel interpretiert, treten auf der fast leer geräumten, an drei Seiten vom Publikum umgebenen Bühne zwei weitere Sänger und zwei Schauspieler (unter anderem Udo Samel) in Erscheinung. Neben Mitgliedern der Staatskapelle musiziert ein Frauenquartett aus dem Off, vorproduzierte- und Live-Elektronik ergänzen die komplexe Partitur. Die für die Neubearbeitung des 2007 uraufgeführten Stücks eingerichtete deutsche Textfassung dient der Verständlichkeit, klingt wiederholt aber auch pedantisch und dem Tonfall der Musik nicht angemessen.

Die Versuche von Libretto und Inszenierung, die Schwere des Stoffes durch gelegentliche galgenhumorige Einlagen aufzulockern, finden keinen Widerhall in der Musik, die doch sehr auf einen quasi-liturgischen Duktus in nachtschwarzem Klanggewand festgelegt ist. Die vom hör-und sichtbar engagierten Dirigenten David Robert Coleman geleitete Produktion ist dennoch verdienstvoll als Erinnerung an den vor fast genau 25 Jahren ermordeten Falcone, der sich in heroischer Nüchternheit wenig Illusionen über sein voraussehbares Schicksal machte.

Wieder: am 4.,6.,7.,12. u. 13. Mai, 20 Uhr

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