Kultur : Nina und der Papa von nebenan

Dramödie: „Die Tochter meines besten Freundes“.

Martin Schwicker

Oft und gerne verwandelt das US-Kino die blitzblank geputzten Vorstädte in ein Schlachtfeld. Familiendramen und Horrorfilme finden in der spießigen Idylle der Suburbs ihren Nährboden. Ein Klassiker des Genres ist „American Beauty“: Sam Mendes seziert darin die verlorenen Träume und geheimen Sehnsüchte der Upper-Middle-Class.

Ein Hauch von Zerstörungslust weht auch durch Julian Farinos Film „Die Tochter meines besten Freundes“. Allerdings bläst die Vorstadt-Dramödie nicht zum Frontalangriff aufs Wohlstandsbürgertum, sondern konzentriert sich auf die gruppendynamischen Prozesse, die ein amouröser Super-Gau im nachbarschaftlichen Beziehungsgefüge auslöst. In einer Wohnstraße von West Orange, New Jersey, leben die Ostroffs und die Wallings schon lange einander gegenüber. Die Kinder sind zusammen aufgewachsen. Die Väter gehen zweimal die Woche zusammen joggen. Im Sommer wird gegrillt. Auch Thanksgiving und Weihnachten verbringt man gemeinsam.

Aus der Balance gerät die bilaterale Familienharmonie, als die 24-jährige Tochter der Ostroffs nach einem Auslandsaufenthalt und gescheiterter Verlobung ins elterliche Nest zurückkehrt. Mutter Walling (Allison Janney) will ihre Tochter mit dem smarten Nachbarssohn Tobey verkuppeln, aber stattdessen knutscht Nina (Leighton Meester) eines Nachts mit dessen Vater David (Hugh Laurie, bekannt als „Dr. House“). Vom generationsübergreifenden Begehren sind beide so überrascht wie überwältigt, aber im engen Vorstadtkosmos lässt sich der Ehebruch nicht lange geheim halten. Die verhängnisvolle Affäre reißt Gräben ins doppelte Familiengefüge. Nicht nur die Ehe zwischen David und Paige (Catherine Keener) zerbricht öffentlichkeitswirksam in der Vorweihnachtszeit, auch die Männerfreundschaft der Väter endet.

Mit komödiantischem Genuss und psychologisch präzise werden hier die Konflikte um die wechselnden Loyalitäten in Szene gesetzt – wobei sich der Film fernab moralischer Stellungnahmen damit begnügt, den Gefühlen beim Verrücktspielen zuzuschauen. Der Film hat nicht die Klasse von „American Beauty“, aber als intelligente Vorweihnachtsunterhaltung funktioniert die sympathische Indie-Komödie allemal. Martin Schwickert

fsk am Oranienplatz

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