Nordisches Design im Felleshus : Der Bart ist ab

Die nordischen Botschaften laden junge Designer in ihr Felleshus. Dort erweist sich, dass viele Objekte in ihrer Heimat Klassiker, im Ausland aber kaum bekannt sind - wie jene Rührschüssel, die nach Königin Margarethe benannt ist.

Simone Reber
Nordisches Design: vom dreibeinigen Schemel bis zum Webteppich.
Nordisches Design: vom dreibeinigen Schemel bis zum Webteppich.Foto: Olli Pekka Lankinen

Der Winter kann kommen, jedenfalls wenn man in den gestrickten Seehundoverall des isländischen Labels Vík Prjónsdóttir schlüpfen kann. Die drei Designerinnen haben sich auf Wollprodukte spezialisiert. Brombeerfarbene Dreiecke zieren den voluminösen Ganzkörperanzug mit den tapsigen Flossen. Im Felleshus, dem Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften, widmet sich eine kleine Ausstellung im Rahmen des Festivals Play Nordic dem Design aus Island, Finnland, Norwegen, Schweden oder Dänemark.

Für Contemporary Collected hat Katrin Greiling, Berliner Designerin mit Studio in Stockholm, hundert Objekte versammelt, die entweder von jungen Gestaltern entworfen wurden oder aber im Alltag Skandinaviens verwurzelt sind. Die Margrethe-Schüssel zum Beispiel wird fast in jedem Haushalt in Dänemark verwendet. Die blass gelbe Rühr­schüssel aus Kunststoff ist nach der dänischen Königin benannt und etwas flacher als deutsche Teigschüsseln. Ähnlich verbreitet und genauso wenig über die Landesgrenzen bekannt ist der Irma-Kaffee oder der Affe von Kay Bojesen. Mit seinen beweglichen Holz­gliedern wird er in Dänemark gerne zur Geburt oder Taufe verschenkt.

Wie sehen neue Formen aus, die eines Tages selbst zu solchen Klassikern werden könnten? Bei einem Treffen junger Designer in den Nordischen Botschaften war die Re-Interpretation von bekannten Elementen ein Thema. Torbjorn Anderssen vom Osloer Atelier Anderssen & Voll führte die Entwicklung einer Pfeffermühle vor. Aus dem Grundmuster des Mahlwerks, den Bausteinen und Farben eines Holzspielzeugs entstand ein Objekt, das Futurismus und Retro verbindet.

Christina Liljenberg Halström, die zeitweise an der UdK studiert hat, entwirft für dänische Firmen puristi­sche Möbel, darunter einen Tisch mit losen Keramikkacheln in den Farben der 60er. Die Besitzer können die Tischplatte zu immer neuen Mustern zusammensetzen und sich am Klackern der Bausteine erfreuen.

Den ungewöhnlichsten  Ansatz verfolgt die dänische Modedesignerin Christine Roland. In ihrem Kreuzberger Atelier entwirft sie eigenwillige Objekte, wie zum Beispiel einen abnehmbaren Vollbart. Für Tongeschirr, das wie Kuchenteig geformt ist, diente das Bild des Tollundmanns, einer 2400 Jahre alten Mumie, als Inspiration. Die Gestalterin wünscht sich ihre Keramik ähnlich erdverbunden, als Teil einer Jahrtausende alten Geschichte und gleichzeitig wie von gestern. So entsteht im Mix aus abgeklärter Vergan­genheit und aufgewühlter Gegenwart eine neue schräge Sachlichkeit.

Die jungen Designer halten Verbindung zu Berlin, gründen hier permanente Vertretungen. Jetzt bespielt auch die Oslo Kaffeebar mit ihrem perfekt marmorierten Milch­schaum das Entree das Felleshus. So gemütlich kann der Norden in Berlin sein.

Nordische Botschaften, Rauchstr. 1, Tiergarten, bis 1. 10.; Mo- Fr 10 – 19 Uhr, Sa und So 11 – 16 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben