NSA-kritischer Autor abgewiesen : Ilija Trojanow: Einreiseverbot in die USA

Der Schriftsteller Ilija Trojanow durfte unverhofft nicht in die USA einreisen. Der deutsche Autor, der sich kritisch gegen den Überwachungsstaat äußert, spricht von Willkür.

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Darf nicht in die USA. Ilija Trojanow kämpft für Bürgerrechte Ärger.
Darf nicht in die USA. Ilija Trojanow kämpft für Bürgerrechte Ärger.Foto: Jens Kalaene/dpa

Dem Schriftsteller Ilija Trojanow ist am Montagmorgen die Einreise in die USA verweigert worden. Über die Gründe will er nicht spekulieren. Er sagte dem Tagesspiegel in Rio de Janeiro: „Bei dieser Art von Willkür verbietet sich jedes Nachdenken über tiefere Gründe.“ Hörbar verstimmt spricht der deutsche Autor („Der Weltensammler“, „Wo Orpheus begraben liegt“) über das, was ihm am Flughafen der brasilianischen Stadt Salvador do Bahia widerfuhr. Am Abend war er statt in die USA nach Rio de Janeiro weitergereist und in der Wohnung eines befreundeten Diplomaten in Ipanema untergekommen. In Salvador hatte er im Rahmen eines Projekts des Goethe-Instituts als Stadtschreiber gearbeitet. Am heutigen Mittwoch will er nun zurück nach Deutschland fliegen.

Der 48-Jährige schildert, wie er am Montag am Schalter von American Airlines stand. Über Miami sollte ihn die Reise nach Denver führen, wo Trojanow am größten Germanistenkongress der USA teilnehmen wollte. Er war auf der viertägigen Veranstaltung als Hauptgast eingeplant. „Ich hätte eine Rede gehalten, diskutiert und außerdem meinen Roman ,Eistau' als Einpersonen-Stück aufgeführt“, schildert Trojanow das Programm. Sowohl ihn wie die Veranstalter des Kongresses trafen die Ereignisse am Flughafen völlig unvorbereitet. Trojanow hatte sich über das von den USA angebotene Onlinesystem Esta (Electronic System for Travel Authorization) ein Visum besorgt. Dieses war ihm auch erteilt worden: „Authorization approved“.

Am Schalter gab es jedoch Verwirrung. Nachdem sie Trojanows Pass eingesehen habe, informierte die brasilianische Angestellte von American Airlines einen höherrangigen Mitarbeiter. Dieser setzte Trojanow darüber in Kenntnis, dass man verpflichtet sei, die US-Behörden über sein Eintreffen am Flughafen zu informieren. Seine Daten wurden eingegeben und man wartete. 45 Minuten vor dem Abflug kam dann über einen Lautsprecher die Ansage: Die USA verweigern ihm ohne Angabe von Gründen die Einreise.

Trojanow berichtet, wie ihm schon letztes Jahr zunächst ein US-Arbeitsvisum verweigert worden sei, das ihn als Gastprofessor an die Universität von Saint Louis führen sollte. Irgendwann sei es ohne Erklärung eingetroffen. Trojanow vermutet nun, die Einreise könnte ihm verweigert worden sein, weil er sich kritisch in der NSA-Affäre geäußert habe und Mitinitiator eines offenen Briefs an Angela Merkel sei. „Die Überwachung von Bürgern ist unvereinbar mit einem demokratischen Staat“, sagt der Schriftsteller. „Die Willkür ebenso.“

Unterdessen forderten PEN-Präsident Josef Haslinger und Schriftsteller wie Juli Zeh, Moritz Rinke und Tanja Dückers die Bundesregierung auf, den Fall umgehend aufzuklären.

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