NSU-Drama von Fatih Akin : „Aus dem Nichts“ ist deutscher Oscar-Kandidat

Fatih Akins „Aus dem Nichts“ geht für Deutschland ins Rennen um den Oscar. Diane Kruger spielt die Hauptrolle in dem Drama, das in Cannes Premiere feierte.

Gutes Team. Schauspielerin Diane Kruger und Regisseur Fatih Akin beim diesjährigen Filmfestival in Cannes.
Gutes Team. Schauspielerin Diane Kruger und Regisseur Fatih Akin beim diesjährigen Filmfestival in Cannes.Foto: Alastair Grant/AP/dpa

Auf dem Filmfestival von Cannes gewann Diane Kruger für ihre Hauptrolle in Fatih Akins „Aus dem Nichts“ bereits eine Palme für die beste weibliche Hauptrolle. Nun geht das NSU-Drama, das am 23. November in die Kinos kommt, für Deutschland auch ins Oscar-Rennen. Das gab die Auslandsvertretung des Deutschen Films, German Films, am Donnerstag in München bekannt. Akin soll bei der Oscar-Verleihung im kommenden Jahr den wichtigsten Preis der Filmbranche nach Deutschland holen.

Zuletzt gelang dies in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" vor zehn Jahren Florian Henckel von Donnersmarck mit „Das Leben der Anderen“. Im vergangenen Jahr war Maren Ade mit "Toni Erdmann" unter den fünf Nominierten, unterlag jedoch dem iranischen Drama "The Salesman" von Asghar Farhadi. Zuvor hatten Volker Schlöndorffs „Blechtrommel“ (1979), István Szabós „Mephisto“ (1981) und Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ (2003) die Trophäe gewonnen. 

„Aus dem Nichts“ behandelt in fiktionalisierter Form die Mordserie des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds. Bei einem Anschlag einer rechtsextremen Gruppe verliert eine junge Frau, gespielt von Kruger, ihren kurdischen Ehemann und den gemeinsamen Sohn. In drei Kapiteln, die die Folgen des terroristischen Anschlags beschreiben, wechselt der Film die Register zwischen Gesellschafts-, Gerichts- und Rachedrama. Eine Fachjury hatte den Film unter insgesamt elf Bewerbern, darunter die Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ von Regisseur Simon Verhoeven und „Jugend ohne Gott“ von Alain Gsponer, ausgewählt. Akins Film mache "das Politische menschlich" und entfalte "eine große Sogwirkung", lautete die Begründung der Jury.

Die Academy entscheidet, ob der deutsche Kandidat nominiert wird

Der deutsche Kandidat ist allerdings nicht schon automatisch für den Oscar nominiert. Über die fünf Nominierungen für den besten fremdsprachigen Film entscheidet die Academy in Hollywood. Die nominierten Filme sollen am 23. Januar 2018 bekannt gegeben werden. Die 90. Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt findet am 4. März 2018 in Hollywood statt. Fatih Akin kommentierte die deutsche Nominierung hanseatisch trocken: „Ich habe morgen Geburtstag, und das ist doch ein schönes Geburtstagsgeschenk vorweg.“ (tsp)

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