Ola Kolehmainen im Haus am Waldsee : Die Befreiung der Farbe

Der Fotokünstler Ola Kolehmainen erforscht gern Räume mit der Kamera und arbeitet mit Architekten zusammen. In Istanbul und in seiner Wahlheimat Berlin. Ein Treffen im Museum.

Marcus Woeller
Heilige Halle. In den Schließzeiten der Hagia Sophia in Istanbul hat Ola Kolehmainen die ehemalige Moschee samt Baugerüsten fotografiert. Die aus vier Fotos zusammengesetzten Bilder sind jetzt im Haus am Waldsee zu sehen.
Heilige Halle. In den Schließzeiten der Hagia Sophia in Istanbul hat Ola Kolehmainen die ehemalige Moschee samt Baugerüsten...Foto: Ola Kolehmainen/Galery Taik

Montags hat die Hagia Sophia geschlossen. Typisch, für Museen. Doch ehe das letzte große Bauwerk der Spätantike ein türkisches Museum wurde, war die Kuppelbasilika noch fast ein Jahrtausend lang die Kathedralkirche des Oströmischen Reichs. Und einige weitere Jahrhunderte die Hauptmoschee der Osmanen in einer Stadt, die in dieser Zeit mehrfach ihren Namen wechselte – Byzanz, Konstantinopel, Istanbul. Bis Ende Februar war der Fotograf Ola Kolehmainen Stipendiat des dortigen Goethe-Instituts und konnte die Schließzeiten des Museums nutzen, um sich von der Geschichte der Hagia Sophia ein Bild zu machen.

Kolehmainen, der 1964 in Helsinki geboren wurde und seit 2005 in Berlin lebt, sucht nach Traditionslinien zwischen Architektur und bildender Kunst. Seine Ausstellung „Geometric Light“ im Haus am Waldsee erzählt davon. Was hat die Architekten inspiriert? Wie haben Baumeister und Künstler einander beeinflusst? Wie können Fotografien diese Einflüsse sichtbar machen, statt bloß konventionell die Baukunst zu dokumentieren?

„Darauf will ich mich nicht beschränken“, sagt Kolehmainen, und so ähnlich hat er sich wohl auch gegenüber der Istanbuler Borusan Collection geäußert, als die ihn beauftragte, sich mit dem ottomanischen Architekten Sinan zu beschäftigen. Der hatte im 16. Jahrhundert nicht nur einige der bedeutendsten Moscheen Konstantinopels gebaut, sondern der alten Kirche auch zwei neue Minarette verpasst. Und spätestens da, sagt Kolehmainen beim Treffen im Haus am Waldsee, wurde es spannend. „Die Architektur der Hagia Sophia, die fast 1000 Jahre älter ist, war Sinans wichtigste Inspirationsquelle. Mich interessierte seine Meisterschaft, gewaltige freie Gebetsräume zu bauen, die nicht durch Säulen oder Stützpfeiler unterbrochen werden.“

In dem riesigen Raum nehmen selbst die gewaltigen Gerüste, die zu Renovierungsarbeiten aufgestellt waren, kaum Platz weg. Kolehmainen teilt den sakralen Innenraum in vier Einzelbilder, die in der Perspektive leicht gegeneinander verschoben sind. Derart irritiert, wird die Sicht auf die Details jenseits einer dokumentarischen Würdigung gelenkt: auf das Spiel des einfallenden Lichts auf den Gerüstplanen, die Farbenpracht der byzantinischen wie osmanischen Wandmalereien und auf die mit dem Kameraauge kaum fassbare Größe des Raums.

In einem Foto-Triptychon verdunkelt sich das Innere der Hagia Sophia zu einem dunklen Bühnenpanorama. Das Tageslicht fällt in breiten Strahlen durch die Fenster, kann den Raum aber kaum illuminieren. Dafür treten aus den Schatten unerwartete Farben hervor. „Mich faszinieren immer Farbe, Raum und Licht als wesentliche Merkmale der Architektur. Seit einigen Jahren wähle ich die Gebäude und Architekten, mit denen ich arbeite, aber eher vor einem konzeptuellen oder historischen Hintergrund aus“, sagt der groß gewachsene Fotograf.

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