Olafur Eliasson beim Weltklimarat : Der Eismann kommt - nach Dänemark

Die Temperatur steigt, der Meeresspiegel auch: Ein Klimawandel ist nicht zu leugnen. Olafur Eliasson warnt vor den Folgen - mit einer aufwändigen Performance beim Weltklimarat in Kopenhagen.

Tilman Strasser
Das Eis brechen: Im Fall solcher Größenordnung wahrlich keine Kleinigkeit. Eliassons Eisblöcke auf dem Weg nach Kopenhagen
Das Eis brechen: Im Fall solcher Größenordnung wahrlich keine Kleinigkeit. Eliassons Eisblöcke auf dem Weg nach KopenhagenFoto: Group Greenland

Der Klimawandel ist ein abstraktes Problem. Häufig klagen Forscher, dass der Erderwärmung immer noch zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit zukomme, weil ihre Folgen nur mittelbar spürbar seien. Olafur Eliasson möchte das ändern. Der in Berlin lebende Künstler schafft riesige Eisblöcke von Grönland nach Kopenhagen. Dort wird kommende Woche der fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC verabschiedet. Der Bericht fußt auf Ergebnissen eines internationalen Wissenschaftlerteams und nimmt Stellung zur drohenden Katastrophe. Mit seiner Aktion will Eliasson der Warnung mehr Gehör verschaffen: "Ice Watch macht die Herausforderung des Klimawandels physisch greifbar", sagt er.

"Ice Watch" von Olafur Eliasson
Foto von Eliasson, Minik und EisblockWeitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: Anders Sune Berg
24.10.2014 11:54Künstler, Wissenschaftler, Werk: Olafur Eliasson und Minik Rosing begutachten einen der zwölf Eisblöcke auf dem Kopenhagener...

Pro Hundertstelsekunde schmelzen 100 Tonnen Inlandeis. Genau diese Menge wird am Sonntag in der dänischen Hauptstadt abgeladen, verteilt auf zwölf gewaltige Klötze, angeordnet zum Ziffernblatt einer Uhr. Die Zeit läuft ab: Das soll im Schmelzen der Brocken symbolisiert werden. "Mir geht es darum, dass Menschen das Inlandeis auf dem Rathausplatz berühren und von ihm berührt werden", so Eliasson. "Wahrnehmung und physisches Erleben sind Schlüsselmomente in der Kunst; sie können auch Instrument für gesellschaftliche Veränderung werden." Auch sein Mitstreiter glaubt an eine Wirkung der Performance. Minik Rosing, Professor für Geologie an der Universität Kopenhagen und bekannt für seine Rückdatierung des ersten Lebens um mehrere hundert Millionen Jahre, sagt: "Wissenschaft und Technik haben uns in die Lage versetzt, das Klima der Erde aus dem Gleichgewicht zu bringen. Doch inzwischen verstehen wir die Mechanismen hinter diesem Wandel und können verhindern, dass sie sich verschärfen."

Bis Mittwoch, 29.10., wird die vergängliche Installation auf dem Rathausplatz zu sehen sein. Zur Eröffnung sprechen mit Morten Helveg Petersen der dänische Minister für Klima sowie mit Morten Kabell der Kopenhagener Bürgermeister für Technik und Umwelt. Alles, um den "Weckruf" angemessen zur Geltung kommen zu lassen: "Wir, die Welt, müssen und können jetzt handeln", heißt es in Eliassons und Rosings gemeinsamer Erklärung, "aus Klima-Wissen muss Klima-Aktion werden."

0 Kommentare

Neuester Kommentar