Omar Souleyman : Unter falscher Flagge: Omar Souleyman

Der syrische Sänger Omar Souleyman elektrifiziert auf seinem Album "Wenu Wenu" die Volksmusik seiner Heimat. Er lebt schon seit Jahren in der Türkei. Die Platte hat er in New York mit einem englischen Produzenten aufgenommen.

Tradition und Moderne. Omar Souleyman mit Kufiya in einem New Yorker Diner.
Tradition und Moderne. Omar Souleyman mit Kufiya in einem New Yorker Diner.Foto: Domino

Er ist ein Hochzeitssänger aus Syrien. In seinen Liedern singt er ausschließlich von der Liebe und sieht mit seiner Kufiya, dem Schnauzer und der Sonnenbrille mit Goldrand ein wenig so aus, als würde Sacha Baron Cohen nach „Der Diktator“ jetzt einen durchgeknallten Scheich irgendeines Wüstenstaats parodieren. Würde jetzt jemand behaupten, dieser unwirklich scheinende, bizarr anmutende Typ sei in Wahrheit sogar eine Erfindung von den Spaßvögeln, die sich vor kurzem auch die Fake- Technoband Fraktus ausgedacht haben, würde sich niemand wundern. Aber solange aus dieser Ecke nichts zu vernehmen ist, muss man davon ausgehen, dass Omar Souleyman wirklich ein Syrer ist, der in seiner Heimat jahrelang auf Hochzeiten gesungen hat, bevor er auch im Westen bekannt wurde.

Ein kleines, obskures Label aus San Francisco hat ein paar Compilations mit Souleymans Musik veröffentlicht und den Sänger auf eine kleine Welttournee geschickt. Und es hat funktioniert, inzwischen ist der Syrer tatsächlich ein globaler Popstar, keiner, der bloß auf irgendwelchen Weltmusikveranstaltungen herumgereicht wird, sondern einer, der für junge Hipster in New York spielt, der schon auf dem berühmten Glastonbury-Festival aufgetreten ist. Damon Albarn und Björk haben mit ihm zusammengearbeitet.

Natürlich ist Omar Souleymans Erfolg im Westen auch das Ergebnis verschiedener, für den Syrer nicht unbedingt nachteiliger, kultureller Missverständnisse. Inzwischen wird er gar der „König des syrischen Technos“ genannt, was ziemlich absurd ist, aber auch nicht ganz falsch. Mit Techno hat Souleyman nichts am Hut, gleichzeitig kann man in den Beats, die er unter seine elektrifizierte und sehr eigen interpretierte syrische Volksmusik packt, schon eine gewisse Nähe zu westlicher Clubmusik heraushören.

Um die Musik von Omar Souleyman besser verstehen zu können, hilft es, die Arbeit des amerikanischen Labels Sublime Frequencies etwas näher zu betrachten, das den Syrer für den Westen entdeckt hat. Das Label hat sich einen Namen damit gemacht, obskure Popmusik aus Laos, Myanmar oder eben auch Syrien zusammenzutragen. Bei diesen Ausgrabungen kommt meist zutage, dass auch im Nahen Osten irgendwann einmal, vielleicht auch nur kurz, ein kleines Fenster für westliche Popmusik offen war. Selbst im Iran hat man The Shadows und Jimi Hendrix gehört und versucht, deren Musik in die eigene zu integrieren. Entstanden ist dabei nicht selten ein explosives East-meets-West-Amalgam.

Der 47-jährige Omar Souleyman macht letztlich etwas ganz Logisches, er modernisiert die syrische Volksmusik, so wie das vielleicht gerade auch Michelle mit der deutschen macht. Zugegeben: Souleyman modernisiert um einiges radikaler als Michelle. Seine „Dabke“ genannten syrischen Hochzeitsweisen spielt er härter und schneller als gewohnt, dazu kommt eine elektrische Bozouki, die über einem polyrhythmischen Teppich, den sein Synthesizer-Mann strickt, permanent quengelt und jubiliert. Souleyman singt seine Liebesschmonzetten auf Arabisch und Kurdisch. Ähnlich wie beim Balkanbeat, der auch in Berlin regelmäßig auf Partys zu hören ist, entsteht so eine mitreißende und fiebrige Tanzmusik.

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