Kultur : Partytime

London, Paris, Petersburg: „L’Auberge espagnole“ Teil 2

Martin Schwickert

Digitalkamera, kleines Budget, eine geräumige Wohnung in Barcelona und acht Schauspieler aus fünf europäischen Ländern – aus diesen Zutaten bastelte der französische Regisseur Cédric Klapisch mit „L’Auberge Espagnol – Barcelona für ein Jahr“ eine erfrischende Studentenkomödie, die allein in Frankreich über drei Millionen Zuschauer ins Kino zog. Die paneuropäische Chaos-WG feierte die eigene Orientierungslosigkeit als Zustand produktiver Verwirrung. Lebenssinnsuche, Finanznöte, Karriereplanung und natürlich das schwierige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Erasmus-Studenten verquirlte Klapisch zu einem äußerst unterhaltsamen Generationsporträt.

In der Fortsetzung „Wiedersehen in St.Petersburg“ hat das wilde Studentenleben ein Ende gefunden, aber an der Orientierungslosigkeit hat sich wenig geändert. Xavier (Romain Duris) hat sein Wirtschaftstudium geschmissen und verdingt sich nun als Auftragsschreiber für TV-Serien. Durchaus seriellen Charakter hat auch sein Liebesleben. Nur zur Ex-Geliebten Martine (Audrey Tautou) unterhält er ein streng platonische Beziehung. Nach der Fusion des Fernsehsenders mit einem britischen Unternehmen wird Xavier nach London entsandt, um die Drehbücher mit seiner früheren Mitbewohnerin Wendy (Kelly Reilly) umzuschreiben. In Teil eins hatten sich die beiden gegenseitig das Herz ausgeschüttet, eine eigenständige Liebesgeschichte blieb ihnen jedoch versagt. Dieses Versäumnis wird in der Fortsetzung nachgeholt. Munter jettet der Film zwischen Paris, London und St. Petersburg hin und her und verliert dabei seine zentrale Liebesgeschichte nicht aus dem Auge. Klapisch hat die Charaktere sorgfältig weiterentwickelt und man merkt deutlich, dass in den fünf Jahren auch die Schauspieler erwachsener geworden sind. Bald wächst der Film über eine Wiedersehensparty mit sympathischen Filmfiguren hinaus und entwickelt sich zum eigenständigen Porträt der Wir-um-die-30-Generation, die zwischen Anpassungsängsten und Etablierungssehnsüchten hin und her geschleudert wird.

In Berlin in den Kinos Cinema Paris (auch OmU), Cinemaxx Potsdamer Platz, Kulturbrauerei und Hackesche Höfe (OmU)

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