PAUKEN & Trompeten : Schmidt, klassisch

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Adieu, Harald Schmidt, undgGuten Morgen! Nachdem die Pianistin Yuja Wang in seiner letzten Show bei Sat1 auftrat, ein Arrangement von „Tea for Two“ im Gepäck, das sie am Flügel mal eben so aus den Fingern schüttelte, geht der Kampf für die Klassische Musik weiter: An diesem Sonntagvormittag tritt Harald Schmidt in der Philharmonie auf. Wahrscheinlich hat Schmidt spätestens seit dem C-Diplom, mit dem er die niederen Weihen des Kirchenmusikwesens empfing, einen Sinn für die Klassik, jedenfalls hat er sie alle bei sich im Studio gehabt, die Geigerin Anne-Sophie Mutter, den Pianisten Martin Stadtfeld oder den Flötisten Emanuel Pahud. Neulich kamen sogar die Bochumer Symphoniker unter Steven Sloane, was kurios war, weil man ihnen die Jingles untergeschoben hatte, die normalerweise die Studioband spielt – für ein Symphonieorchester ist es unmöglich, die „Padamms“ oder „Tüdelüs“ nach jeder Pointe ähnlich sekundenbruchteilgenau zu platzieren.

Dagegen stellte sich das Orchester geschickt an, als Harald Schmidt eine Ouvertüre dirigierte, und natürlich tat er es unter Rückgriff auf alle bekannten Konventionen, Kopfruck, Haarschüttel, Armruder, tschakka, hier wird Musik gemacht. Egal! Genau richtig! Denn auch wenn im Publikum gegackert wurde, auch wenn Sloane über sich selbst und seine nichtigen Versuche lachen musste, das Orchester bei den Jingles so perfekt einzuzählen wie Helmut Zerlett seine Band – am Ende ging es um eine Art flooding, wie Verhaltenstherapeuten sagen würden, ein Bestürmen des Publikums mit klassischen Musikern und klassischem Sound, und das ist auf eine Weise gelungen, die nur sensationell genannt werden kann (um eine von Harald Schmidt häufig gebrauchte Vokabel zu benutzen).

Weiter geht es also heute mit Mozarts „Schauspieldirektor“, dessen Libretto Schmidt eigenhändig umgeschrieben hat und in dem er selbst die Rolle des Monsieur Buff übernimmt, der alles daran setzt, eine exzellente neue Truppe zusammenzustellen. Der „Schauspieldirektor“ ist Teil eines größeren Konzertprogramms mit dem Concerto Köln unter Markus Hoffmann, das auch Symphonisches von Rigel und Beethoven spielt und neben Schmidt drei junge Gesangssolisten hören lässt. Gut, die Eintrittspreise sind etwas großzügig bemessen. Aber dafür kann man einen Mann bestaunen, der das Unfassbare getan, der die Klassik nonchalant ins Fernsehen gebracht hat.

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