Paul McCartney : Der Nette von den Beatles

Paul McCartney zum 70. Geburtstag. Bis heute überstrahlt der Ruhm seiner Band den aller anderen. Dabei hat allein McCartney seit der Auflösung der Beatles 26 Alben aufgenommen.

von
Poptitan? Untertan! Paul McCartney am 4. Juni in London, beim Konzert zum Kronjubiläum der Queen.
Poptitan? Untertan! Paul McCartney am 4. Juni in London, beim Konzert zum Kronjubiläum der Queen.Foto: AP

Das Ende der Beatles verkündete Paul McCartney im April 1970 in einem Fragebogen, der den Presseexemplaren seines ersten Soloalbums beilag. Ist der Bruch mit den Beatles nur vorübergehend? „Ich weiß es nicht. Es gibt persönliche und geschäftliche Differenzen.“ Können Sie sich vorstellen, dass Lennon-McCartney eines Tages wieder als Komponistenteam arbeiten werden? „Nein.“ Maulfaule Antworten, die für eine Sensation sorgten. Paul McCartney galt als der Mann, der die Beatles aufgelöst hat. In Wirklichkeit hatte John Lennon – sein Freund aus Liverpooler Kindheitstagen, der längst zum Kontrahenten geworden war – die Band bereits Monate vorher verlassen.

Nachdem die Zeitungen das Ende der Beatles gemeldet hatten, versank McCartney in einer Depression, bestürzt darüber, „dass die tollste Band, die es je gegeben hatte, den Bach runterging und meine besten Freunde über Nacht meine ärgsten Feinde geworden waren“.

Die Geschichte der Beatles hatte als Märchen begonnen und endete als Albtraum. Wahrscheinlich waren die Egos von Lennon und McCartney einfach zu groß, um es dauerhaft in einem gemeinsamen Projekt auszuhalten. Lennon hatte die Beatles gegründet, aber McCartney übernahm nach und nach die Macht. Bis zum Tod von Lennon 1980 haben sie sich nicht mehr getroffen, bloß noch miteinander telefoniert. Bei einem dieser Gespräche, so erzählte McCartney später, fuhr Lennon ihn an: „Ach du – du bestehst doch nur aus Pizza und Märchengeschichten.“ McCartney entgegnete: „Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Es gibt schlimmere Dinge, die man über einen Menschen sagen könnte, oder?“ Und er dachte insgeheim: „Pizza und Märchengeschichten – was für ein toller Albumtitel.“

Dem Schatten der Beatles ist Paul McCartney, der am heutigen Montag seinen 70. Geburtstag feiert, nie entkommen. Wie auch? Mit den Beatles begann die Poprevolution des 20. Jahrhunderts, bis heute überstrahlt ihr Ruhm den aller anderen Bands. In den vier Jahrzehnten nach der Auflösung hat McCartney 26 Alben aufgenommen, solo, mit den Wings und dem Elektronikprojekt The Fireman. Darunter waren Meisterwerke wie „Band On The Run“ (1974 in Nigeria einspielt) und Hits wie „Jet“, „Live and Let Die“, „Silly Love Songs“, „Ebony and Ivory“ oder „Say Say Say“. Aber an die Größe der Stücke, die er für die Beatles schrieb, an „Can’t Buy Me Love“, „Hey Jude“, „Let It Be“, „Michelle“, „Lady Madonna“ oder „Yesterday“ reichen sie nicht heran.

Paul McCartney gilt als ein Weltmeister im Nettsein, doch er kann auch anders. So führte er einen jahrelangen Rechtsstreit, weil John Lennon, George Harrison und Ringo Starr gegen seine Willen die Aufnahmebänder des vorletzten Beatles-Albums „Let It Be“ an den Produzenten Phil Spector weitergegeben hatten, der die Songs mit bombastischen Orchester- und Chorzutaten versah. Erst als im Jahr 2003 die annähernd ursprüngliche Version der Platte mit dem Titel „Let It Be ... Naked“ erschien, machte er seinen Frieden mit dem Fall.

Zuletzt veröffentlichte McCartney im Februar das Album „Kisses on the Bottom“, auf dem er, unterstützt von Freunden wie Stevie Wonder, Eric Clapton und Diana Krall, Jazz-Klassiker wie „It’s Only a Papermoon“ oder „My Very Good Friend The Milkman“ singt. Ähnliche Stücke hatte sein Vater in den zwanziger Jahren als Leiter einer Big Band gespielt. „Wenn ich heute auf das Werk der Beatles zurückblicke, freue ich mich darüber, dass das meiste davon so optimistisch war“, sagt er. „Ich bin sehr froh, dass es in fast allen unseren Songs um Frieden und Liebe ging und wir die Leute ermuntert haben, das Positive zu sehen und aus ihrem Leben das Beste zu machen.“ Man muss sich Paul McCartney als glücklichen Menschen vorstellen. Christian Schröder

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben