Kultur : Philip-Marlowe-Romane: "Der lange Abschied" von Raymond Chandler

Fans und Verehrer übertreiben in ihrer vergleichenden Liebe gern, und deshalb haben die Raymond-Chandler-Bewunderer den Roman "Der lange Abschied" seinen "Faust" genannt. Richtig daran ist, dass Chandler mit "The Long Good-Bye" sein ehrgeizigstes Werk, den umfangreichsten seiner Philip-Marlowe-Romane schrieb ("Es ist nicht als rasche Kost gedacht") und dass er seinem Privat-Detektiv-Helden mehr von seinem Ich mitzugeben suchte, als in allen seinen bisherigen Romanen, plus die Einsicht in die "seltsame, korrupte Welt, von der wir leben, und wie jeder, der darin ehrlich zu sein versucht, am Ende als sentimentaler Esel oder einfach als Trottel dasteht."

"Der lange Abschied", natürlich ein Krimi (dessen "Lösung" der Leser lange vorher erahnt; sie war dem Autor nicht wichtig), ist das Buch einer Freundschaft, die sich in der korrupten Welt des kalifornischen Traums bewähren, aber nicht behaupten kann. Gewiss ein sentimentaler Stoff aus der Nachkriegs-Boom-Zeit in Los Angeles mit scharfen Einsichten in die Leere, Sehnsucht, Brutalität dieser Gesellschaft der Schönen und Reichen, ein Buch, das seine Welt in sarkastischen Sprachbildern festhält, eine filmisch-realistische Prosa von großer Prägnanz.

So erklärt der den Los Angeles-Strip beherrschende Gangster Menendez das Prinzip: "Ich bin ein großer böser Mann. Ich verdiene haufenweise Geld. Ich muss haufenweise Geld verdienen, um die Kerle zu schmieren, die ich schmieren muss, um haufenweise Geld zu verdienen, um die Kerle zu schmieren, die ich schmieren muss." Dialoge wie Chandler kann sonst nur Hemingway schreiben. Und dass Marlowes Lieblingsgetränk Gimlet heißt und wie man ihn mixt, steht auch im "Langen Abschied".

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