Pop : Mein lieber Schwede

Nordischer Pop bei der Berlin Independent Night: Moneybrother, The Asteroids Galaxy Tour und Kakkmaddafakka begeistern in einer langen Nacht

Kaspar Heinrich

Berlin, ganz ohne Festival? Kaum denkbar. Zwischen Music Week und Music Days passte am Sonnabend allemal noch die Berlin Independent Night, mit jeder Menge Gitarrenmusik. Zum dritten Mal hat die Indie-Instanz Karrera Klub das eintägige Minifestival veranstaltet, in sechs Locations zwischen Kottbusser Tor und Warschauer Straße.

Die Nacht beginnt im Festsaal Kreuzberg schon um halb acht. Der Schwede Anders Wendin ist als Moneybrother bekannt geworden, bevor es ruhig um ihn wurde. Dass er nicht untätig war, zeigt der Film „Start A Fire“, eine Dokumentation über die Aufnahmen zu Wendins Album „This Is Where Life Is“, das in dieser Woche erscheint. Eingespielt wurde es auf fünf Kontinenten, in sieben Städten entstanden zehn Songs. Los Angeles, Rio de Janeiro, Kingston und Kapstadt – der Film zeigt dieProduktion und ist gleichzeitig ein Porträt Wendins, der mit kindlicher Begeisterung von den Eindrücken seiner Reise erzählt. Im Anschluss bekommen die Zuschauer ein Konzert des Schweden geboten. Nicht akustisch, wie angekündigt, sondern mit Strom, Posaune und eigens eingeflogenen Gastsängern aus Südafrika und Jamaika. Moneybrothers Gitarrenpop klingt immer noch beschwingt und manchmal hymnisch, seine markant-heisere Stimme sucht den schnellsten Weg zur Melodie.

Jenseits von Spree und Warschauer Brücke geht es im Astra mit The Asteroids Galaxy Tour dänisch weiter. Frontfrau Mette Lindberg ist der personifizierte 80er-Jahre-Männer-Traum, mit wallender blonder Mähne und Glitzer auf Lidschatten und Minirock. „Ihr seid auf der richtigen Seite der Brücke“, ruft sie dem Publikum zu, das in die Halle strömt. Eine Posaune bringen auch The Asteroids Galaxy Tour auf die Bühne, dazu Trompete, Tamburin und Rassel. Zutaten für souligen Discofunk. Fast nur Hits finden sich auf ihren zwei Alben, stellt man fest, und live werden diese noch besser. Der dominante E-Bass von Lars Iversen für die Tiefen, die sirenenhafte Stimme Lindbergs für die Höhen – das funktioniert gut, und das Astra ist am Ende des 45-minütigen Auftritts voll.

Das liegt aber auch an der Vorfreude auf Kakkmaddafakka, acht Kind gebliebene Gemüter, die um kurz vor halb eins auf die Bühne drängen. Die Band aus dem norwegischen Bergen lebt vom Auftritt, der pubertäre Witz des Namens pflanzt sich in ihrer Show fort. Ein Otto-Waalkes-Double am Keyboard springt aufgedreht herum, drei Backgroundsänger mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte machen Faxen, schnell steht die halbe Band mit nacktem Oberkörper da. Nichts wird hier ernst genommen, als ein Ewan McGregor-Lookalike dann noch den 90er-Jahre-R-’n’-B-Klassiker „This Is How We Do It“ anstimmt, ist der Wahnsinn perfekt.

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