Funny van Dannen : Die alltägliche Herzscheiße

Seit Jahren erhebt Funny van Dannen die Alltagsskurrilität zur Kunst. An diesem Samstag spielt er im ausverkauften Astra Kulturhaus.

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Funny van Dannen besingt seit über 20 Jahren das Große im Kleinen.
Funny van Dannen besingt seit über 20 Jahren das Große im Kleinen.Foto: Promo

Ob nun die alltägliche Herzscheiße oder schlecht gewürzte Fischsuppe, verkorkste Zwischenmenschlichkeit oder Meditation beim Putzen - es sind die kleinen Dinge des Lebens, die Franz-Josef Hagmanns-Dajka alias Funny van Dannen in seinen Liedern beschreibt. Lieder, in denen die Schönheit des Lebens gleichsam wohnt wie aller Irrsinn. Und es ist diese scheinbare Banalität der Texte, die seine Kritiker immer wieder abschreckt wie seine Hörer fasziniert und ihn zeitig zur Kultfigur werden ließ. Weil hinter all dem Profanen ein wacher Geist, ein Sarkast und Zyniker steckt, der bei allem doch so lebensbejahend bleibt, dass er mit Satire der Gesellschaft den Spiegel vorzeigen kann. Wer von uns stand nicht schon einmal mit einem Brot am Zebrastreifen und sinnierte vor sich hin? Doch ist es gleich banal, dies in Text und Melodie zu fassen? Begreift man van Dannen als Chronisten der Absurdität, müsste die Antwort 'Nein' lauten. Es braucht den Narren, um die Wahrheit zu sehen. Und närrisch ist er, ein Dirigent im gesellschaftlichen Kuriositätenkabinett. Die FAZ bezeichnete Funny van Dannen bereits vor Jahren als den "Matthias Claudius für unsere Zeit". Immerhin eine Analogie zu einem Lyriker, dessen Texte ("Das Abendlied") Jahrhunderte überdauert haben.

In Zeiten, in denen textliche Fantasie zum Anachronismus geworden scheint, Liedtexte und Literatur oft allein an hohes prosaisches Handwerk und genialische Schaffenskraft gekoppelt werden, rollen sich bei Sätzen wie "Nach der Trickfilmschau hatte die ehemalige Einzelhandelspraktikantin Lola den Fernseher ausgemacht und sich auf dem verwilderten Grundstück hinter der stillgelegten Porzellanschneckenfabrik nach bekömmlichen Stöckchen für ihre beiden Wellensittiche Klaus und Klaus umgesehen." sicherlich bei so manchem die Fußnägel hoch. Da mangelt es klar an eigenem Witzverständnis. Van Dannen selbst sieht sich da eher in einer Tradition mit Lyrikern wie Christian Morgenstern.

Gerade diese vordergründig fehlende Tiefsinnigkeit seiner Texte, sowie Bücher und Gemälde, dieses immer wiederkehrende Einfangen von geradezu Profanem, machen die Wirkung seiner Kunst aus. Wer unsere heutige Zeit mit Humor nehmen kann, der hat die Freiheit und einen enormen Spielraum für Gesellschaftskritik. Einen Spielraum, den van Dannen seit seiner über 20-jährigen Bühnenkarriere ausreizt. Er kann Sichtweisen gegenüberstellen, bleibt nicht erstarrt. Erst durch diesen Witz ermöglicht er sich, andere Ansichten einer Situation gelten lassen zu können. Wenn dereinst also auf uns zurückgeblickt werden wird, ist ein Song aus Funny van Dannens reichhaltigem Fundus der Alltagsskurrilität sicherlich nicht das schlechteste Zeugnis.

Funny van Dannen spielt am 13.10. im ausverkauften Astra Kulturhaus.

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