Konzerte : Peter Hammill im Quasimodo

Ausgemergelt und drahtig wirkt Peter Hammill auf der Bühne vom Quasimodo, wie ein zäher Langstreckenläufer. Als außergewöhnlicher Musiker, der in keine Kategorie und in kein Schema passt, hat der 61-jährige Engländer inzwischen auch schon eine beachtliche Wegstrecke hinter sich.

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Genau einundvierzig Jahre liegt es zurück, seit Hammill sein erstes Album veröffentlichte. Als Frontmann der Band Van Der Graaf Generator, die mit Keyboards, Saxofon und Hammills leicht bedrohlicher Stimme einen exorbitant düsteren Sound mischte. Während sich die Band in all den Jahren mehrfach auflöste und wieder zusammenfand, hat Hammill seit 1971 30 Soloalben veröffentlicht, zuletzt "Thin Air" im letzten Jahr.

Heute sitzt er mit kurzgeschnittenen, grauen Haaren und markant kantigem Gesicht im schwarzen Hemd mit aufgestelltem Kragen alleine am Konzertflügel und singt eine Auswahl seiner Lieder aus allen Schaffensperioden. Da verbinden sich Jazzklänge, Kindermelodien, keltische Folk-Themen, avantgardistisch atonale Tonfolgen und gehämmerte Akkorde mit komplexen Gesangslinien. Was den Zuhörern einiges abverlangt an Konzentration, Ausdauer, und vielleicht auch Leidensfähigkeit. Denn wie seine wenig eingängige Musik, sind auch die Texte, die Hammill in distinguiertem Englisch singt, nichts zum entspannten Zuhören.

Thematisch drehen sich diese modernen Kunstlieder immer wieder um die dunklen Seiten des menschlichen Lebens: Angst, Einsamkeit, Beziehungen, Trennungen, Krankheit, Trauer, Vergänglichkeit, Alter und Unwiederbringlichkeit. Dabei springt die außergewöhnliche Stimme, von der sich David Bowie vermutlich eine Menge abgeguckt hat, vom samtig ruhigen Bariton in geradezu hysterisches Falsett, um gleich wieder hinabzustürzen in dunkle Tiefen. Und sich von zarter Zerbrechlichkeit wieder aufzuschwingen zu aggressivem Kreischen.

Zwischendrin wechselt Hammill zur akustischen Gitarre, singt seine Balladen von Angst und Trauer zu offen schwirrenden Akkorden. Dann lächelt er: er sei genauso überrascht wie seine Fans von der Songauswahl. Er entscheidet darüber spontan. Jeden Abend ein anderes Programm. Nach anderthalb Stunden ist man wie erschlagen von all der Intensität und Hammills todtraurigen Geschichten.

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