Konzertkritik : Kitty Hoff: Ein Rauschen unterm Himmel

"Ohne Strom" am Badeschiff. Innerhalb der kostenlosen Open-Air-Konzertreihe trat die Chansonette Kitty Hoff an einem luftig-frischen Sommerabend auf.

H.P. Daniels

Im Badeschiff schwimmen noch welche im blaubeleuchteten Wasser, dahinter gleiten blinkende Boote durch die Spree. Junge Leute lümmeln auf Liegestühlen im Sand, trinken Bier, Wein, Limonade, es riecht nach Bratwurst und Grill. Den ganzen Sommer gibt es hier mittwochs in der Reihe "Ohne Strom" kleine Unplugged-Konzerte bei freiem Eintritt.

Gute Idee, schönes Ambiente, drohten nur nicht schon wieder schwarze Wolkenwände über allem. Kitty Hoff hat sich eine dünne Wolljacke über das kurze geblümte Sommerkleidchen gezogen, passend zum luftig frischen Abend. Begleitet von einem Gitarristen im schwarzen Anzug singt die blonde Chansonette über eine "Frau auf der Brücke".

Man würde gerne mehr verstehen von diesen Songs, den Texten der Dame aus Münster, die schon seit einiger Zeit in Berlin lebt. Zu jazzeligen Gitarrenakkorden hört man von einem "Leichtmatrosen in schmutzigen Hosen", doch schon gehen die gehauchten Worte wieder unter im fröhlichen Geplapper des Publikums. Ein bisschen wie beim Pressefest im Auswärtigen Amt oder auf einem Kreuzfahrtschiff, wo im Hintergrund dezent musikalisch untermalt wird. Zurückhaltender Hotelfoyer-Jazz, Bossa Nova, Astrud Gilberto "light" und eine entlehnte Melodie von Tom Waits. Angeregt plaudern die Gäste darüber weg und der Strandbarmann klirrt munter mit den Bierkisten.

Kitty singt hübsch, angenehm, unauffällig. Sie spielt Melodica und plingelt auf dem Glockenspiel, lacht und scattet: bapp-bah-bapp-bapp-bah-bapp. "Da fehlt vielleicht ein bisschen die Band!" sagt sie. Wer ihre neue Platte "Zuhause" zuhause habe, wisse, wie es wirklich klingen müsse. Vielleicht wirken die popschlagerhaften deutschen Chansons an diesem Abend tatsächlich etwas eindimensional, weil die Farben von Piano, Bass und Schlagzeug fehlen.

Rauschender Applaus nach einer knappen Stunde und dem letzten Lied: "Rauschen". Gerade als die schwarzen Wolken sich zu entladen beginnen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben