Konzertvorschau : Ganes – "Piratinnen der Sympathie"

Die Schwestern Marlene und Elisabeth Schuen und ihre Cousine Maria Moling sind ein außergewöhnliches Trio. Es beginnt schon beim Namen ihrer musikalischen Formation.

von
Musikalische Verwandte: die Drei von Ganes.
Musikalische Verwandte: die Drei von Ganes.Foto: promo

Sie nennen sich "Ganes" – in der Mythologie ihrer Dolomiten-Heimat sind das fabelhafte Flussnixen. "Die sind sehr nett", sagt Elisabeth lachend, "nur, wenn man böse zu ihnen ist, können sie einen verwünschen."

Auch Marlene, Elisabeth und Maria sind sehr nett und verzaubern können sie einen allemal – auf angenehme Weise: mit betörend perfekt harmonierendem, dreistimmigem Gesang. Und überhaupt, mit ihrer einnehmenden Art, ihrer Zugewandtheit und ihrer ungekünstelten Fröhlichkeit, ihrer Leidenschaft und dem enormen Spaß am Singen. Und an einer Musik, in der moderne urbane Pop-Elemente, Jazzanklänge, Blues, Soul, leitamerikanische Rhythmik, Reggae und Funk sich vermischen mit den musikalischen Wurzeln ihrer ländlichen Alpenheimat in La Val (Wengen), einem ladinischen Dorf im Südtiroler Gadertal.

Weil sie untereinander Ladinisch sprechen, der Sprache, in der sie sich zuhause fühlen, und in der sie am besten ihre Gefühle ausdrücken können, schreiben sie auch ihr Songtexte auf Ladinisch und singen Ladinisch, dieser ausgefallenen Sprache, die in den Südtiroler Dolomiten nur noch 30.000 Menschen sprechen.

Das habe nichts mit Nationalismus zu tun, sagt Marlene lachend, eher mit ihrer Herkunft, mit ihren Familien, in denen sie eine besonders glückliche Kindheit verlebt hätten, und wo das Singen, das Musizieren, zum täglichen Leben gehörte."Bei uns ist es selbstverständlich, dass die Kinder mit Musik aufwachsen, und dass sie in die Musikschule gehen", ergänzt Maria.

"In der ladinschen Volksmusik gibt es eine gewisse Verwandtschaft mit der bayerischen und österreichischen Alpenmusik", sagt Elisabeth, "nur dass die ladinischen Lieder vielleicht etwas melancholischer sind und vom harmonischen Aufbau ein bisschen komplizierter."

Der Münchner Promoter Hage Hein, Manager des Österreichers Hubert von Goisern und des Bayern Georg Ringsgwandl, war der Musik der drei Ladys auf der Stelle verfallen, als er sie beim Proben ihrer Songs hörte, als sie mehrere Monate als Violinistinnen und Sängerinnen in der Band des österreichischen Alpen-Pop-Musikers Hubert v. Goisern mit einem zur schwimmenden Bühne umgebauten Frachtkahns 2007-2009 die Donau rauf und runter schipperten.

"Da hatten wir viel Zeit und konnten uns gegenseitig unsere Songs vorspielen und gemeinsam daran arbeiten", sagt Maria Moling, die noch Musik studiert, sich aber nicht sicher ist, wie lang sich das noch vereinbaren lässt mit den ständig intensiver werdenden Tourneeverpflichtungen.

Marlene Schuen hat ihr Violinstudium inzwischen an den Nagel gehängt, weil sie sich vom Konservatorium nicht länger beurlauben lassen konnte. Bereut sie das? "Nein", sagt sie lachend, "was ich in den Jahren in der Band von Hubert von Goisern und bei anderen auf der Bühne gelernt habe, kann man in keiner Schule lernen!"

Ihre ältere Schwester Elisabeth allerdings hat ihr Studium als Opernsängerin abgeschlossen. Opernsängerin? Verträgt sich das denn mit Pop-Musik? Diese ganz andere Art des Singens?
"Natürlich kann man Pop-Musik nicht mit einer Opern-Stimme singen", sagt Elisabeth, "das würde nicht passen. Opern- und Pop-Stimme, das ist für mich wie zwei ganz verschiedene Instrumente. Ich singe einfach jeweils so, wie es die Songs verlangen."

Hage Hein gefielen diese Songs so gut, und er war hingerissen von der Frische und dem musikalischen Können, mit der die drei Mädels ihre Lieder interpretierten. Er organisierte Studiotermine für ihr erstes Album: "rai de soredl", das im Sommer erschien, plante eine ausgiebige Tournee und organisierte auch alles Weitere. Wobei sein vielleicht größtes Problem in der Frage bestand, wie man eine ladinische Pop-Platte in die Läden, die Medien und an die Hörer zu bringen kann.

Da müsse man sich schon etwas einfallen lassen, sagt Hage Hein. "Wie neulich beim Rundfunk den Piratenauftritt!" Piratenauftritt?
Hein lacht. Vom Chef der Musikabteilung eines Senders, dem er das Album der Mädels geschickt hatte, habe er zur Antwort bekommen: "Deine Bayern und Österreicher mögen ja gerade noch so durchgehen. Aber Pop auf Ladinisch? Kann ich nicht brauchen! Ende der Durchsage!" Okay, der müsse das wissen, fand Hein, aber was er ihm nicht ersparen konnte, war dann dieser Piratenauftritt. "Das kann man natürlich nur machen, wenn man ganz sicher ist, dass das funktioniert. Aber bei den Mädchen war ich mir sicher: die machen das. Die können das!"

Und so sind sie einfach zu diesem Sender gefahren. Haben sich eingeschlichen, um ein schnelles Spontankonzert zu geben für alle Mitarbeiter, die gerade zu erreichen waren. Ein Piratenauftritt eben - vor etwa zwei Dutzend Rundfunkleuten. Und die waren sofort hingerissen von der frischen Darbietung der Mädels, die gerade noch in der Halle eine Runde gekickert hatten, bevor sich immer mehr Leute um sie versammelten, sie ihre Geigen auspackten und sangen. Das überzeugte auch den Musikchef auf der Stelle. So sehr, dass er die jungen Frauen sofort ins Sendestudio schleuste, und schon waren sie "on air". Und dann sprang als angenehmer Nebeneffekt dieser Piratenaktion auch noch die Planung eines Konzertes der jungen Ganes-Frauen mit dem Filmorchester Babelsberg heraus, der irgendwann demnächst stattfinden soll.

"Aber das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie das funktioniert", sagt Hein, "wenn die Mädels mit ihrer Musik eine Chance bekommen, erobern sie jeden sofort im Sturm."

Am 18.10.2010 in der "Bar jeder Vernunft".

0 Kommentare

Neuester Kommentar