Lena Meyer-Landrut : "Ich bin es gewohnt, offen über Sex zu reden"

Das neue Semester hat begonnen – und eine prominente Studentin ist dabei. Lena Meyer-Landrut über Philosophie, ihren Geiz und die Angst vorm Steuerbescheid.

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Popsängerin Lena studiert Philosophie.
Popsängerin Lena studiert Philosophie.Sandra Ludewig/Promo

Frau Meyer-Landrut …

Sollen wir uns nicht duzen?

Wäre Ihnen das lieber?

Kommt darauf an. Per du kann ich Menschen besser beschimpfen. Sie Arschloch!, das funktioniert nicht.

Mit Sie werden Sie als Erwachsene respektiert …

Das ist richtig.

… und unser Thema ist das Ende der Jugend, diese sorglose Zeit im Leben, wie gern behauptet wird.

Meine war total sorglos. Klar, wir hatten keine Millionen auf dem Konto. Und ich war öfter mal krank. Diese Probleme sehe ich rückwirkend als nicht so gute Phasen. Heute habe ich andere Sorgen.

Wegen Ihrer Karriere?

Natürlich, jeder Mensch hat die. Ob die Karriere weiterläuft oder ob man gefeuert wird. Mir kann auch jeden Tag ein Ziegel auf den Kopf fallen. Ich denke an solche Sachen, aber leide nicht darunter.

Sie beginnen gerade ein Studium in Köln. Haben Sie deshalb Bauchschmerzen?

Überhaupt nicht. Ich habe mich aus Interesse dafür entschieden.

Für die Fächer Philosophie und Afrikanistik.

Ehrlich gesagt, habe ich mich für Philosophie eingeschrieben und musste noch ein zulassungsfreies Fach dazuwählen. Und Afrikanistik hat mich am meisten fasziniert.

Philosophie, weil Ihnen früher Jostein Gaarders Buch „Sophies Welt“ so gefallen hat?

Genau! Mir gefielen die Vergleiche in dem Buch: Der Hase, der an einem Haar hinausklettert aus einem Zylinder und somit die Welt erreicht. Ich mag an dem Fach das freie Denken.

Was bereitet Ihnen überhaupt Kopfschmerzen?

Versicherungen abschließen, auf das Bürgeramt gehen, mich ummelden, meine Steuersachen klären. Solche Pflichtgänge finde ich unfassbar anstrengend und belastend. Vor allem weil das Sachen sind, die Konsequenzen haben, wenn ich sie nicht erledige.

Sie haben mit 20 die Jugend hinter sich?

Das Abitur ist das Ende der Jugend. Und Arbeit bedeutet für mich, wie man so blöd sagt: Jetzt geht der Ernst des Lebens los.

Marius Müller-Westernhagen hat Ihnen mal gesagt: „Im Leben musst du nur sterben und Steuern zahlen.“

Und ich war geschockt, als ich meinen ersten Steuerbescheid bekommen habe. Ich habe Abzüge von etwa 43 Prozent. Oh, doch so viel, habe ich gedacht. Und dann gleich die Frist verpasst, da musste ich Mahngebühren zahlen.

Sie haben über eine Million Platten verkauft, der Eurovision-Song „Satellite“ war ein Hit in Europa.

Klar habe ich Geld auf dem Konto. Aber das bedeutet für mich nicht, keine Geldsorgen zu haben. Ich bin sparsam, manchmal sogar geizig. Ich will mir nicht so viele Sachen kaufen.

Weil Sie Angst haben, dass das Geld einmal weg ist?

Ja. Ich habe Angst, dass eines Tages das Konto leer ist – und dann stehe ich da. Meine Mutter hat mich so erzogen …

... Ihre Mutter hat Sie allein erzogen, nachdem Ihr Vater sich kurz nach Ihrer Geburt von ihr trennte …

… und da konnte ich nur ausgeben, was ich auch hatte. Deshalb könnte ich mir nie ein Auto leasen oder etwas auf Ratenkredit kaufen. Das geht nicht in meinen Kopf.

Kommen Sie mit dem Überziehungskredit klar?

Ich habe gar keinen. Wollte ich nicht.

Gut verdienende Deutsche regen gerade an, mehr Steuern zu zahlen. Wären Sie dabei?

Das würde ich unterstützen. Allerdings möchte ich gerne wissen, wo das Geld investiert wird – und nicht, dass man davon neue Farben für Polizeiuniformen finanziert. Ähnlich sehe ich das bei Spenden. Natürlich ist es toll, wenn einer sagt: Ich spende nur für Afrika. Das heißt aber nicht, dass wir für Deutschland keine Gelder brauchen. Wir haben auch Obdachlose oder Waisenkinder.

Sind Sie in dem Zwiespalt, ob Sie helfen sollen?

Ich spende. Ich will keine Organisation nennen, vor allem aber in Deutschland. Früher haben wir auch für die Tsunami-Opfer gegeben, obwohl wir wenig hatten. Das gehört einfach dazu.

Sie können Spenden von der Steuer absetzen.

Ach Quatsch! Das kann man doch nicht wirklich? Da muss ich mal meinen Steuerberater fragen.

Legt der Ihr Geld an?

Ich mache das selber.

Charlotte Roche sagt, dass sie nur Betongeld hat – also in Immobilien anlegt.

Ich finde, noch habe ich zu wenig Geld, um mir eine Wohnung zu kaufen. Und einen Kredit aufnehmen, Sie wissen ja, das könnte ich nicht.

Wen würden Sie bei einer Geldanlage eher um Rat bitten: Ihre Mutter oder Ihren Mentor Stefan Raab?

Mit meiner Mutter über Geld zu reden, das ist schwierig. Ich bin in einer Phase, in der ich alles allein machen will. Das gehört zum Abnabelungsprozess dazu. Ich habe Menschen, die ich fragen kann, vielleicht nicht Stefan Raab, aber Berater bei meiner Agentur oder meinen Steuerberater. Ich beschäftige mich ungern damit, es ist so unsinnlich.

Was Lena über den Euro-Rettungsschirm und Facebook denkt, lesen Sie auf Seite 2.

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