Popsängerin unter Verdacht : Hat Blümchen nicht selbst gesungen?

Jan Delay behauptet im Fernsehen, Jasmin Wagner habe ihren Hit „Herz an Herz“ gar nicht selbst gesungen. Es wäre die größte Schummelei im deutschen Pop seit Milli Vanilli. Die Beschuldigte schweigt.

von
Schweigt zum Thema: Jasmin Wagner.
Schweigt zum Thema: Jasmin Wagner.promo

Es ist inzwischen fast 22 Jahre her, dass „Milli Vanilli“ als Täuschertruppe aufflogen: als zwei Möchtegernmusiker, die nicht selbst sangen, sondern bloß tanzten, gut aussahen und ihre Lippen bewegten. Seit gestern gibt es wieder einen Verdacht: Die Hamburgerin Jasmin Wagner, die in den Neunziger Jahren als „Blümchen“ bekannt wurde, soll ihren ersten Hit „Herz an Herz“ 1995 gar nicht selbst gesungen haben. Stattdessen sei in dem Song eine ganz andere Künstlerin zu hören. Den Vorwurf hat Dienstagabend der Sänger Jan Delay bei Stefan Raabs "TV Total" in die Welt gesetzt. "Du weißt schon, dass die das nicht gesungen hat, ne?", sagte Delay dem sichtlich verblüfften Raab. Und weiter: "Ich kenn die, die es gesungen hat." Nach kurzem Zögern entschied sich Jan Delay dann aber, den Namen der tatsächlichen Interpretin nicht zu nennen.

Kein Dementi von der Sängerin

Jasmin Wagner selbst schweigt zu den Vorwürfen. Auf Tagesspiegel-Anfrage richtete ihr Hamburger Management am Mittwoch aus, dass die Sängerin nicht zu dem Thema Stellung nehmen wolle. Auch ihre Managerin möchte keine Auskunft geben - weder zur Frage, ob Jan Delay nun recht hat, noch dazu, wie viele Blümchen-Songs insgesamt betroffen sind.

Wen interessiert das eigentlich, könnte man jetzt einwenden. "Herz an Herz" ist bereits 17 Jahre alt, da gibt es heute wohl Spannenderes aufzudecken als ein Blümchen-Gate. Doch das Gerücht, dass gerade bei Eurodance-Produktionen in den Neunzigern vielfach massiv getrickst wurde, kursiert schon länger: dass nämlich die eigentlichen Sängerinnen versteckt und dafür jüngere, womöglich schlankere Frauen als optische Verpackung eingesetzt wurden. Jan Delay, der mit der Hamburger Musikszene bestens vertraut ist, hat sich nun als erster Prominenter getraut, eine solche Behauptung öffentlich bei einem Fernsehauftritt zu wiederholen. Und die Beschuldigte? Will nichts dazu sagen.

Etwas gesprächiger als Wagner, die inzwischen auch Theater spielt, ist ein alter Weggefährte: Stani Djukanovic, ihr früherer Produzent, nennt die Behauptung Delays "völligen Unsinn". Zwar hätten damals diverse andere Sängerinnen bei Blümchen "im Chor" mitgewirkt, zusätzlich habe man Wagners Stimme "gepitcht bis zum Umfallen", also am Computer manipuliert. Nichtsdestotrotz sei die heute 32-Jährige auf allen ihren Liedern zu hören, und zwar als Leadstimme. Das aber ist ein klarer Widerspruch zu Jan Delays Behauptung. Der hatte ausdrücklich nicht davon gesprochen, dass Wagner bloß eine unter vielen gewesen sei - sondern dass sie eben überhaupt nicht gesungen habe. "Wahrscheinlich wollte Jan Delay nur eine Geschichte erzählen, um lustig zu sein", sagt Djukanovic.

Auf Nachfrage, ob der Gesang auf "Herz an Herz" nun tatsächlich - und zwar zu einem überwiegenden Teil - Jasmin Wagner gehöre oder nicht, antwortet Djukanovic: "Was soll ich da sagen?" Und dann aber: "Ja".

13 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben