SO36 in Kreuzberg : Die Toten Hosen treten fürs SO36 auf

Fliegende Bierbecher, Sprünge ins Publikum und ohrenbetäubende Lautstärke. Mit einem außergewöhnlichen Konzert traten am Mittwochabend die Toten Hosen in Kreuzberg zur Rettung des Klubs SO36 an.

Johannes Radke
Campino
Frontmann Campino - hier beim Open-Air-Konzert vor zwei Wochen in Ungarn - rockte das Berliner SO36. -Foto: dpa

BerlinDas Publikum durfte sich für einen Abend in die Zeiten zurückversetzt fühlen, in denen der Postbezirk Kreuzberg 36 mit seinen besetzten Häusern noch als das Mekka der Punkszene galt. Am 30. April 1982 spielte die Band das erste Mal im SO36.

Doch heute hat der Klub Probleme mit einem Nachbarn, der sich durch Lärm belästigt fühlt. Es bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder schließen oder eine teure Lärmschutzwand bauen, doch dafür fehlt das Geld. Kurzerhand lud man die Toten Hosen für ein Benefizkonzert ein. Selbst wer auf der Gästeliste stand musste deshalb ganz regulär den Eintrittspreis von 29 Euro bezahlen.

Doch das Besondere an dem Auftritt war weniger, dass die bekannteste deutsche Punkrockband sich für einen Kreuzberger Underground-Klub ins Zeug legte, sondern vielmehr die Auswahl der Lieder, die es zu hören gab. Die Düsseldorfer spielten fast ausschließlich Stücke aus den ersten Jahren ihrer mehr als 25-jährigen Bandgeschichte. Von der ersten Single "Wir sind bereit" (1982), über "Verschwende deine Zeit"(1986), bis hin zu uralten B-Seiten wie "Abitur", die wirklich nur eingefleischten Fans bekannt sein dürften. Alles Songs, die die Band wahrscheinlich seit 20 Jahren nicht mehr live gespielt hatte. Selbst das Bühnenoutfit war dem Abend angepasst. Chaotisch bunte Schlaghosen und grelle Kragenhemden, mit denen die Gruppe sich früher bewusst allen Modestilen entgegenstellte. Die großen Hits, mit denen die Toten Hosen seit Anfang der 90er Jahre regelmäßig die Charts erklimmen, gab es am Mittwoch nicht zu hören.

"Wir können uns gar nicht oft genug bei der Band für diesen Abend bedanken", sagte Nanette Fleig vom SO36. Knapp 18.000 Euro kamen bei dem Konzert zusammen. Damit habe der Klub inzwischen die Hälfte der benötigten 80.000 Euro, um die Schallschutzmauer zu bauen. Und auch für diejenigen Fans, die am Mittwoch keine Karte mehr bekommen haben gibt es eine gute Nachricht: Ende des Jahres soll das einmalige Konzert auf DVD erscheinen.

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