Kultur : Psychotrip

Witzig: Matmos eröffnen das CTM-Festival im HAU.

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Telepathie ist möglich. Den Beweis erbringt das Elektronikduo Matmos aus Baltimore beim Eröffnungskonzert des Club Transmediale im HAU 1. Ein Proband wird in einen hypnoseähnlichen Zustand versetzt und ist dann empfänglich für außersinnliche Wahrnehmungen. Diese gibt er verbal an die beiden Musiker von Matmos weiter, die daraus eine Art PSI- Musik verfertigen. Ein herrlicher Quatsch ist das, Matmos behaupten gar, ihre ganze neue Platte beruhe auf diesen sogenannten Ganzfeldversuchen. Das Duo, das durch Zusammenarbeiten mit Björk bekannt wurde, ist aber schlau genug, um zu wissen, dass die Nummer mit der Parapsychologie im Konzert nur für begrenzte Dauer lustig ist. Also verlässt das Medium die Bühne, ein Schlagzeuger und ein Gitarrist erscheinen und los geht es mit einem Konzert, das beweist, dass es alles andere als langweilig sein muss, wenn sich eigentlich verkopfte Elektronikfrickler auf eine Bühne begeben. Während der handelsübliche Laptopmusiker seinen Blick meist nicht vom Bildschirm wegbekommt, suchen Matmos dauernd den Kontakt zum Publikum, das von deren selbstironischen Ansagen bestens unterhalten wird. Auch musikalisch ist es kurzweilig. Mal tun Matmos so, als seien sie eine verkappte Metalband, dann, als seien sie auf einem esoterischen Trip in Indien hängen geblieben. Eine Autoharp kommt zum Einsatz, man erlebt, wie interessant es klingen kann, wenn einer mit dem Strohhalm in einer Schüssel mit Wasser gluckert und welch spannende Sounds beim Herumzupfen an aufgeblasenenen Luftballons entstehen können. Andreas Hartmann

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