"Rappaport"-Inszenierung : Hallervorden weist Rassismus-Vorwurf zurück

Ein weißer Schauspieler, schwarz geschminkt, stellt einen Farbigen dar. Steckt dahinter Rassismus? Dieter Hallervorden, Intendant des Berliner Schlosspark-Theaters, muss sich gegen heftige Kritik wehren.

Grantler: Joachim Bliese und Didi Hallervorden als Midge und Nat. Die Inszenierung steht nun in der Kritik.
Grantler: Joachim Bliese und Didi Hallervorden als Midge und Nat. Die Inszenierung steht nun in der Kritik.Foto: Bresadola/drama-berlin.de

Dieter Hallervorden, Intendant des Berliner Schlosspark-Theaters, hat sich dagegen verwahrt, mit der Inszenierung von Herb Gardners Stück „Ich bin nicht Rappaport“ rassistische Vorurteile zu bedienen. Nach der Premiere unter Thomas Schendels Regie war auf der Facebook-Seite des Theaters eine heftige Diskussion entstanden, ob es legitim sei, die Rolle des 80-jährigen Midge, eines Schwarzen, mit einem geschminkten weißen Schauspieler – Joachim Bliese – zu besetzen.

Dies knüpfe, so die Kritiker, an die unselige Tradition der amerikanischen Minstrel Shows aus dem tiefsten 19. Jahrhundert an. Hallervorden erklärt, man habe vergeblich nach einem geeigneten Schwarzen für die Rolle gesucht. Und er besteht darauf, dass weder Stück noch Inszenierung den leisesten rassistischen Unterton hätten: Man solle sich damit überhaupt erst einmal auseinandersetzen. Die Theaterleitung weist in einem eigenen Brief darauf hin, dass das Stück ohne Proteste an 40 deutschen Theatern gespielt worden sei, obwohl in der Vergangenheit nur zweimal Schwarze die Rolle des Midge gespielt hätten.

Der Theaterverlag als Interessenvertreter des Autors habe obendrein nicht erlaubt, die Rolle einem ungeschminkten Weißen zu geben. Hallervorden bedauert, unter Umständen Gefühle verletzt zu haben, will an der Inszenierung aber festhalten. Nur das Plakat soll geändert werden. (Tsp)

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