Rapperkrieg mit Ansage : Der Ost-West-Dialog

Die brutalste Fehde der Musikgeschichte: Nach Tupac Shakur wird 1997 auch The Notorious B.I.G. erschossen – posthum erlangt der dicke Rapper Weltruhm. Heute ist sein 15. Todestag.

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Vor 15 Jahren wurde der New Yorker Rapper The Notorious B.I.G. erschossen.Weitere Bilder anzeigen
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08.03.2012 12:50Vor 15 Jahren wurde der New Yorker Rapper The Notorious B.I.G. erschossen.

Fünf Tage vor seinem Tod gibt Christopher Wallace, bekannt als The Notorious B.I.G., noch ein Radiointerview. Es wird im Morgenprogramm eines Lokalsenders ausgestrahlt, und Wallace sagt darin, dass er hier an der Westküste, im Feindesland, keine extra Bodyguards brauche. Dass ihn auch keiner für weich halten solle, bloß weil er jetzt an Gott glaube. Wallace hat sich gerade erst tätowieren lassen, auf die Innenseite seines rechten Unterarms. Dort steht nun ein Auszug aus Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“

Christopher Wallace ist nach Los Angeles gekommen, um ein Musikvideo zu drehen. In drei Wochen, am 25. März 1997, erscheint sein neues Album, es wird ihn zum größten Rapper aller Zeiten machen, glaubt Wallace. Schon jetzt bejubelt die „Los Angeles Times“ den 24-Jährigen als „Sensation“. Er selbst hat sich den Titel „König von New York“ verliehen.

Es gibt Leute, die sagen: Ein Rapper von der Ostküste sollte jetzt besser nicht in L.A. sein. Ganz besonders nicht Christopher Wallace.

Die brutalste Fehde der Musikgeschichte dauert zu diesem Zeitpunkt bereits zweieinhalb Jahre. Gestritten wird um die Frage, wo in den USA der bessere, härtere, authentischere Hip-Hop produziert wird: in New York, wo der Musikstil Ende der 70er Jahre erfunden wurde. Oder in Los Angeles, wo zehn Jahre später eine neue Spielart entstand: der Gangsta-Rap, der vom Leben im Ghetto erzählt, von Raubüberfällen und Drogendeals. Die erfolgreichsten Vertreter des Genres prahlen mit erheblichen Vorstrafenregistern. Ihre kriminellen Biografien verleihen Glaubwürdigkeit: Die Rapper müssen sich ihre Geschichten nicht ausdenken, sie haben das selbst erlebt – oder behaupten es jedenfalls. Zur Kernzielgruppe ihrer Musik gehören junge, weiße Männer aus den Vorstädten.

Tupac Shakur
Tupac ShakurFoto: promo

Auf Außenstehende wirkt der Wettstreit zwischen Ost- und Westküste bizarr, für die Betroffenen geht es auch darum, wer der jeweils anderen Seite nicht genug Respekt entgegengebracht hat. Wer derber gedemütigt wurde.

Im März 1997, als Christopher Wallace in Los Angeles sein Video dreht, fühlen sich vor allem die Vertreter der Westküste gedemütigt: Sechs Monate zuvor wurde ihr größter Star, der Rapper Tupac Shakur, im Auto vor einer roten Ampel erschossen, und obwohl die Polizei nie den Täter ermitteln konnte, hält sich der Verdacht, die Todfeinde aus dem Osten könnten in den Mord verwickelt sein.

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