Kultur : Raum für Notizen

Über das Berliner Kulturforum wird weiter gestritten. Zum Hoffnungsträger könnte der Verein „Die OmA in Berlin“ werden

Frederik Hanssen

Es gibt nicht viele Dinge, mit denen man bei einem Berliner Museumswärter Heiterkeit auslösen kann. Fragt man allerdings im Musikinstrumentenmuseum an der Philharmonie danach, wann denn endlich der neue Eingang eröffnet wird, stößt der Aufseher seinen Kollegen in die Rippen, und beide müssen lachen. Seit dem 1. Oktober 2003 ist die Nordostfassade des Museums eine Baustelle. Ein zweiter Zugang soll hier entstehen, um die nicht gerade überrannte Dauerausstellung mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Fertigstellung: ungewiss.

Der Architekt Edgar Wisniewski hat einen fünf Meter tiefen, 23 Meter breiten Empfangsbereich entworfen, der dem bestehenden Bau vorgeblendet wird. Ein paar Mauern müssen im Innern versetzt werden – doch eigentlich handelt es sich um einen winzigen Eingriff. Wisniewski, langjähriger Partner des Philharmonie- Erbauers Hans Scharoun, weiß aus eigener, bitterer Erfahrung, dass auf dem Berliner Kulturforum die Gesetze der Zeit außer Kraft gesetzt sind, dass hier alles Jahrzehnte dauert, was woanders in ein paar Monaten über die Bühne gehen würde. Doch selbst er muss den Kopf schütteln, wenn er an den unendlich schleppenden Fortgang der Arbeiten am Musikinstrumentenmuseum denkt.

Richtig Druck macht dagegen derzeit ein anderer Kulturforums-Kombattant: Senatsbaudirektor Hans Stimmann will nun endlich seinen Masterplan für das Gesamtareal vom Landwehrkanal bis zum Tiergarten realisiert sehen. Immerhin wird seit 1964 um die Vollendung der von Scharoun geplanten Stadtlandschaft gerungen. Ende April präsentierte Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer eine Senatsvorlage, die die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses von 1999 und 2002 aufheben soll. Statt eines „Künstler-Gästehaus“ genannten Solitärs zwischen Nationalgalerie und Philharmonie sieht der Entwurf nun diverse kleinere Bauten vor, die sich über ein parkartiges Areal verteilen, „Lustgarten der Moderne“ genannt. Ziel ist es, das Kulturforum in Richtung Potsdamer Platz zu öffnen und die Besucherströme aus der neuen Mitte zu den Staatlichen Museen zu lenken. Finanziert werden soll das Vorhaben durch private Investoren.

Am 3. Juni erschien in der Tagespresse zwischen den Handelsregisternachrichten eine Anzeige zur „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“. Bis zum 15. Juli können bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Kommentare zu der Planung eingereicht werden. Kein Wunder bei der dezenten Platzierung, dass der bisherige Rücklauf in der Verwaltung als „mäßig“ bezeichnet wird und zur obligatorischen Erörterungsveranstaltung gerade einmal 18 Personen erschienen.

Um so vehementer laufen Interessenvertreter gegen Stimmann Sturm: der Rat für Stadtentwicklung, die Plattform Nachwuchsarchitekten und natürlich die Scharoun-Gesellschaft. Hier kommt wieder Architekt Wisniewski ins Spiel. Er beruft sich darauf, dass nach Scharouns Tod 1972 vertraglich die Urheberrechte an der Gestaltung des Areals auf ihn übergegangen seien. Außerdem bestehe seit Januar 2005 ein denkmalpflegerischer Ensembleschutz für das Kulturforum. Eingriffe in den historischen Originalentwurf verböten sich darum eigentlich von selber. Ob das Abgeordnetenhaus dies ebenso sieht, wird sich im Herbst zeigen, wenn der Masterplan in den Ausschüssen beraten wird.

Bis dahin ruhen die Hoffnungen derer, die an der aktuellen Ödnis des Areals leiden, auf einem Verein junger Künstler, Architekten und Stadtplaner mit der lustigen Internetadresse www.die-oma-in- berlin.de. OmA bedeutet dabei „Orte mit Aussicht“: Während der MoMA-Ausstellung 2004 veranstaltete OmA diverse Kunstaktionen auf der Schotterfläche neben der Nationalgalerie. Eine Sondernutzungsgenehmigung des Bezirksamts haben sie immer noch – und viele Ideen, wie sich die Freifläche spielerisch zum interaktiven Kommunikationsraum verwandeln lässt. Weil aber alle Projekte frei finanziert sind, backen sie derzeit nur kleine Brötchen, rollen mal für ein paar Tage Rasen aus oder laden die Passanten ein, auf Eternit-Sesseln Platz zu nehmen.

OmA-Macher Gereon Pilz van der Grinten hat übrigens einen ganz pragmatischen Blick auf den Kampf ums Kulturforum: „Am besten wäre es doch, die Anrainer würden sich zusammensetzen, ein Logo entwickeln und den Ort gemeinsam vermarkten.“ Dagegen hätte wohl noch nicht einmal die Scharoun-Gesellschaft etwas einzuwenden.

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