Remake eines Kino-Klassikers: "A Bigger Splash" : Sex, Stress & Tod im Pool

Wenn Stars baden gehen: Der Erotikthriller „A Bigger Splash“ will keine Kopie von „La piscine“ mit Romy Schneider und Alain Delon sein. Aber er ähnelt dem Kultfilm doch gewaltig.

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Sexy Troubleshooter in der Ferienvilla. Harry (Ralph Fiennes) mit Töchterchen Penelope (Dakota Johnson).
Sexy Troubleshooter in der Ferienvilla. Harry (Ralph Fiennes) mit Töchterchen Penelope (Dakota Johnson).Foto: dpa/Studiocanal

Bei geschlossenen Gesellschaften, sagt Jean-Claude Carrière, und er muss es wissen, er ist schließlich Drehbuchautor und was für einer, gibt es immer das Risiko, dass furchtbar viel geredet wird. Auch in „La piscine“ damals sei so eine geschlossene Gesellschaft versammelt gewesen, wenn auch überwiegend unter freiem Himmel, da gebe es nur die paar Schauspieler und nicht so furchtbar viel für sie zu tun, und schon ist man verlegenheitshalber bei den Dauerbabbelschnuten und dem ewigen Schuss-Gegenschuss. Also ging es beim Erfinden um die umgekehrte Strategie: her mit einem sparsamen „indirekten“ Dialog, jener Sorte Kommunikation, die nächstmöglich am Schweigen siedelt. Richtig nervös seien die Produzenten geworden, als sie das Drehbuch gelesen hatten. Wie man mit dem bisschen Reden denn einen abendfüllenden Spielfilm … und so weiter.

Ein Hochamt für die Weltklatschpresse

Das schöne Plaudern des alten Herrn, der sich an eine Arbeit aus seinen mittleren Dreißigern erinnert, findet sich im DVD-Bonusmaterial zu Jacques Derays legendärem Erotikthriller „La piscine“ von 1968. Alain Delon und Romy Schneider, ein paar Jahre zuvor ein Glamour-Paar im echten Leben, spielten da erstmals wieder gemeinsam und noch dazu ein Paar – weshalb sich die Weltklatschpresse zwar durchaus für die freizügigen Pool-Szenen nahe St. Tropez, viel mehr aber für das mögliche Wiederaufflammen realer Leidenschaft interessierte. Coole, feine Ferienvillenbewohner verkörperten die beiden – und zur geschlossenen Gesellschaft kamen, als Vater und Tochter, Maurice Ronet und eine unwiderstehliche Jane Birkin hinzu: Störenfriede einer Sommerzweisamkeit, Provokateure durch Erfolg (er) und Jugend (sie), da genügten dialogisch ein paar Zeilen hier, ein paar dort. Und sonst Blicke, Stille, die Kamera auf der Reise zwischen den sich beäugenden Leuten her und hin. „Jacques Deray war mir dankbar“, erinnert sich Carrière mit sanftem Sinn fürs sibyllinische Kompliment, „denn bei so wenig Dialog war seine Fantasie extrem gefordert.“

Pärchen von damals. Romy Schneider und Alain Delon in "La piscine" (1968).
Pärchen von damals. Romy Schneider und Alain Delon in "La piscine" (1968).Foto: imago/United Archives

Nun gibt es, fast 50 Jahre später, Luca Guadagninos „A Bigger Splash“, und natürlich muss dieses „Platsch!“ heute größer, spektakulärer und offenbar auch deutlich dialogreicher sein. Dabei will der italienische Regisseur seinen Film, der im Wesentlichen vier Personen in einer Villa mit Pool allerdings nicht an der Côte, sondern auf der süditalienischen Insel Pantelleria versammelt, ganz und gar nicht als „Piscine“-Remake verstanden wissen, auch wenn er Kernelemente der Story übernimmt. Und hat schon deshalb seinen Schauspielern – Tilda Swinton und Matthias Schoenaerts als eigentlich harmonischem Gastgeberpaar und Ralph Fiennes sowie Dakota „Shades of Grey“ Johnson als den sexy Troubleshootern – nahegelegt, sich den Referenzfilm gar nicht erst anzusehen.

Plappern und posen: Ralph Fiennes

Dennoch: Der unmittelbare Vergleich lohnt. Und er fällt – bei allen Schwächen des Deray-Films, der vor allem unter dem parfümiert-preziösen Spiel von Romy Schneider litt – nicht gerade zugunsten des plakativeren Platschers aus. Erstens wird sehr viel geredet (wobei das hochtourige Plappern und Posen von Fiennes zumindest anfangs ein Genuss ist), und zweitens eher lieblos gespielt. Schoenaerts wirkt als metrosexueller Wiedergänger Delons zeitgemäß zurückhaltend maskulin. Tilda Swinton flüstert und krächzt sich als berufsbedingt lädierte Rocksängerin mit einer vom Drehbuch beglaubigten Stimmbandentzündung durchs Geschehen. Und Dakota Johnson ist, verglichen mit Jane Birkin auch in einer sehr frühen Rolle, von geradezu markerschütternder Niedlichkeit.

Im Kern passiert nicht viel mehr als in „La piscine“: Der Eindringling, erfolgreicher Musikproduzent und schon angejahrt Verflossener der Gastgeberin, demütigt ziemlich unsubtil seinen beruflich erfolglosen Nachfolger in Liebesangelegenheiten, und als Rache des kleineren Mannes bleibt da nur die Möglichkeit einer Affäre mit dem jungen Tochterding des Rivalen. Eine gewisse Spannung steigt, dahintrudelnd und angefacht durch Alkohol („La piscine“) und überwiegend Drogen („A Bigger Splash“), und plötzlich treibt ein Toter im Pool. Die Sache ließe sich fraglos aufklären, zumal mit polizeilicher Hilfe; genauso gut aber, ein bisschen kommunikative Disziplin und mindestens so viel unauffälligen Schulterschluss der irgendwie Verdächtigen vorausgesetzt, lässt sie sich auch hintertreiben.

Und die Polizisten? Dumm - und eitel noch dazu

Irgendwas aber macht, dass „A Bigger Splash“ bald ziemlich laut und lang und hässlich wirkt. Überflüssige Nebenfiguren, anlauflos auftauchend und verlustfrei wieder weg. Ein immerhin relevanter Kernkonflikt namens Männerkonkurrenz, der allerdings zeitweise völlig unbeachtet vor sich hin fermentiert. Sehr breit und recht träge über die Ufer tretend auch die Ermittlungen (die Polizei von Pantelleria hat mehr mit ertrunkenen Flüchtlingen als mit Luxustoten in Lotterpools zu tun). Und strohdoof und eitel, anders als der skeptische Inspecteur Lévêque in „La piscine“, sind die Carabinieri auch noch.

Oder stören vor allem die auf der Stelle tretenden Dialoge? Ach, hätte JeanClaude Carrière sein Bonmot über den Spaß an der Stille doch bloß nicht gesagt; in sparsamen Worten, versteht sich.

In Berlin ab Donnerstag im Capitol, Cinema, Cinemaxx, Colosseum, Delphi, International, Yorck; OV im Cinestar SonyCenter; OmU im Kino in der Kulturbrauerei, Neues Off und Odeon

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