Riccardo Muti dirigiert Berliner Philharmoniker : Bella figura

Riccardo Muti dirigiert bei den Berliner Philharmonikern Werke von Richard Strauss und Franz Schubert, die von der ewigen Sehnsucht der Nordeuropäer nach Italien erzählen.

von
Rioccardo Muti
Rioccardo MutiFoto: Todd Rosenberg

Als er noch jünger war, befand sich Riccardo Muti ja stets in einem heimlichen Wettstreit mit Lorin Maazel um den Titel „Eitelster Maestro der Welt“. Nun, da er in diesem Juli seinen 74. Geburtstag feiern kann, wirkt er entspannter. Beim Auftritt mit den Berliner Philharmonikern am Mittwoch nickt er nur knapp mit dem Kopf zum Dank für den Begrüßungsapplaus, und auch am Ende, als Jubelrufe erschallen, bleibt er bescheiden in der Gestik, reicht viel vom Dank des Publikums an die Musiker weiter.

In sich ruhend, ja geradezu altersweise erweckt er alle drei Partituren des Abends zu klingendem Leben. Nach einer offensichtlich erquicklichen Probenphase folgen ihm die Philharmoniker dabei mit innerer Anteilnahme. Franz Schuberts „Ouvertüre im italienischen Stil“ steht am Beginn, ein Werk, das natürlich überhaupt nicht transalpin klingt – weil sich keines der Motive wirklich zu einer Kantilene weitet –, sondern stets genuin nach Wiener Klassik. Ganz organisch lässt Muti die liebliche Musik fließen, sodass wie von selbst ein wunderbar lebendiges Musizieren entsteht.

Ebenso angenehm fürs Ohr wie fürs Gemüt erklingt auch die „Haffner“-Sinfonie: Während viele Alte-Musik-Ensembles bei ihren scharfkantigen Mozart-Interpretationen unter kollektivem Bluthochdruck zu leiden scheinen, bleibt bei Riccardo Muti der Puls stets im medizinisch unbedenklichen Bereich. Die Ecksätze atmen heitere „Figaro“-Atmosphäre, im tänzerisch genommenen zweiten Satz erscheinen vor dem inneren Auge adlige Paare bei graziösen Verbeugungen, Drehungen und Formationen, während im dritten Satz eher ein ländlich-sittliches Volksfestvergnügen nachgezeichnet wird.

Als „ersten schüchternen Versuch“ auf dem Weg zur sinfonischen Dichtung bezeichnete Richard Strauss rückblickend sein Tonpoem „Aus Italien“ von 1886. Ein mächtiger Orchesterapparat wird da immer wieder angeschoben, erreicht aber kaum je südlichen Schwung. Vor 26 Jahren erklang der 45-Minüter zuletzt in einem philharmonischen Programm, damals hieß der Dirigent ebenfalls Riccardo Muti. Als souveräner, kenntnisreicher Cicerone führt er auch diesmal durch die Campagna, nach Rom, Sorrent und in seine Heimatstadt Neapel. Vor allem aber genießt er den Luxus-Sound dieses Orchesters, das hier ebenso absichts- wie lustvoll altmodisch klingt, von den noblen Holzbläsern übers prächtige Blech bis hin zu den sich in goldbronzenem Glanz verströmenden Streichern.

Eine kleine Einschränkung in Sachen Eitelkeit fördert dann doch das Internet zutage: Auf seiner Website bietet der Maestro nicht nur Videos, handsignierte Bücher und CDs aus eigener Produktion an, sondern auch diverse Fotos für Fans. Stückpreis: 99 Cent.

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