Robert Lebeck: Ein großer Fotograf ist tot : Der Reporter als Flaneur

Er fotografierte für Top-Magazine an den Brennpunkten der Welt. Und er fotografierte Prominente, die für ihn "auch nur Menschen" waren. Nun ist Robert Lebeck gestorben - ein Großer seiner Zunft.

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Elvis lebt. Der Popstar als Soldat 1958, fotografiert von Robert Lebeck.
Elvis lebt. Der Popstar als Soldat 1958, fotografiert von Robert Lebeck.Foto: dpa

Der Fotograf stand falsch, war aber genau am richtigen Ort. Im Sommer 1960 sah Robert Lebeck bloß noch das Heck des polierten Cabrio, in dem sich König Baudouin durch Léopoldville fahren ließ. Was dann aber im Rücken des belgischen Regenten geschah, machte den Fotografen berühmt: Er hielt fest, wie ein junger Kongolese Baudouins Degen aus dem Auto entwendet und so bildhaft vorführt, dass die einstige Kolonialmacht in Belgisch-Kongo entwaffnet ist.

„Ich habe blitzschnell fotografiert, ich wusste nicht, ob ich das Bild hatte“, erzählte Lebeck später. Dabei wirkt die Szene fast komponiert. Ein Bild, von dem Fotoreporter träumen. Lebeck war da bereits für die in Hamburg erscheinende Zeitschrift „Kristall“ tätig, hatte kurz das Frankfurter Büro der Illustrierten „Revue“ geleitet und schon einmal mit einem außergewöhnlichen Schnappschuss Konrad Adenauers sein Talent bewiesen – 1952 als 23-jähriger Anfänger für die „Rhein-Neckar-Zeitung“.

Dennoch: die Bestätigung war wichtig für einen Studenten der Völkerkunde, der sich das Fotografieren autodidaktisch mit einer einfachen Retina-Kamera angeeignet hatte. Der außerdem zu Beginn seiner Karriere heftig am Bildjournalismus zweifelte, weil die Honorare für die Arbeit so jämmerlich gering ausfielen.

"Look" und "Life" waren seine Vorbilder

Lebeck blieb – und wurde einer der Größten seines Metiers. 1991 erhielt er den renommierten Preis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, 2007 den Henri-Nannen-Preis für einen Bildjournalismus, der in Deutschland nach dem Krieg stilprägend war. Obwohl Lebeck gewissenhaft nüchtern, in freundlicher Distanz und ohne Gier nach Sensationen fotografierte. Lieber wartete er auf den passenden Moment wie 1960 im Kongo, vertraute auf sein Glück und nahm sich das streng Dokumentarische der Fotoreportagen von US-Magazinen wie „Look“ oder „Life“ zum Vorbild. Drängeln war ihm unangenehm. Das öffnete Lebeck zahllose Türen. Von Prominenten wie Romy Schneider, Klaus Kinski, Simone Signoret, Karl Böhm, Josef Beuys oder Alfred Hitchcock entstanden hinreißende Porträts in oft Privatheit verströmenden Situationen. „Das sind auch nur Menschen“, lautete seine Maxime. Ein emphatischer Ansatz, der sich offenbar übertrug.

Robert Lebeck
Robert LebeckFoto: imago/Christian Thiel

Mit Willy Brandt war Lebeck auf Wahlkampfreise, begleitete ihn nach dem Sieg 1972 zwei Jahre lang und hielt schließlich den schmerzhaften Moment seines Rücktritts fest. Für andere Reportagen schickte ihn vor allem der „Stern“, dessen Bilderwelt der Fotograf über Jahrzehnte geprägt hat, auf weltweite Reisen. Von dort brachte Lebeck mitunter unbequeme Bilder etwa von Indiens Tagelöhnern mit. Anfang der sechziger Jahre wurden seine Fotos erstmals im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gezeigt.

Lebeck stammte aus kleinen Berliner Verhältnissen. Als Jugendlicher musste er 1944 zur Wehrmacht und entkam nur knapp einer russischen Offensive. Anschließend geriet er in Gefangenschaft. „Wenn ich geahnt hätte, dass meine Erlebnisse bei Kriegsende mich bereits für ein Leben als Fotoreporter abgehärtet hatten, wäre ich vielleicht früher zu meinem Beruf gekommen“, erklärte Lebeck als 80-Jähriger in einem Interview. Und er schuf nicht bloß selbst Ikonen, sondern baute dazu eine Sammlung mit wichtigen Motiven der Fotografie aus dem 19. Jahrhundert auf, die sich seit langem im Kölner Museum Ludwig befindet.

Von Südfrankreich, wo Lebeck mit seiner zweiten Frau und und den Kindern eine Weile lebte, zog er 2001 nach Berlin. Als Flaneur, der mit einer digitalen Leica zum eigenen Vergnügen noch als 80-Jähriger die Stadt erkundete. Zum runden Geburtstag widmete ihm der Martin-Gropius-Bau 2009 auch die bislang umfangreichste Ausstellung seiner Arbeiten. In Berlin ist Robert Lebeck nun am Sonnabend mit 85 Jahren gestorben.

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