Robert Plant live in Berlin : Thors kalter Wind

Robert Plant And The Sensational Space Shifters begeistern in der Zitadelle Spandau mit einem Mix aus Blues, Folk, afrikanischen Elementen und Led Zeppelin-Song.

H. P. Daniels
Gut bei Stimme. Robert Plant in der Zitadelle Spandau.
Gut bei Stimme. Robert Plant in der Zitadelle Spandau.Foto: Davids

Strahlender Sommerabend auf der Spandauer Zitadelle. Knallblauer Himmel. Und ein munter rockendes Aufheizprogramm der North Mississippi Allstars, die Slide-Sounds von Ry Cooder mit Grateful-Dead-Gedudel und Allman-Brothers- Gesumpfe zusammenrühren zu ganz eigenem wunderbaren Südstaaten-Schlick. Sonnig und heiß.

Dann wird es dräuend, düster, grummelig. Schwül und gewitterig, zum Glück nur auf der Bühne, wo The Sensational Space Shifters Gitarrenakkorde wie schwere Wolken auftürmen, blitzendes Schlagzeug, Bass und brausende Keyboards gewaltig stürmen. Und Robert Plant seine unverwechselbare Stimme aufflattern lässt: „The snow falls hard and don’t you know/ The winds of Thor are blowing cold“, der Song „No Quarter“ stammt vom Led-Zeppelin-Album „Houses Of The Holy“ aus dem Jahr 1973. Und klingt doch ganz anders als damals. Frisch und neu arrangiert. Sicher könnte der einstige Superstar die Stadien der Welt füllen und ein Vermögen verdienen, würde er gemäß den Wünschen seiner ehemaligen Mitstreiter die alten Led Zep noch einmal wiederbeleben. Doch er käme sich dämlich vor, sagt er, müsste er den Rest seines Lebens immer wieder die ollen Kamellen runternudeln, „Stairway To Heaven“, auf die ewig gleiche Art. Da habe er doch jetzt etwas viel Besseres.

Er bleibt in Bewegung, entwickelt sich und seine Musik weiter, macht ständig etwas Neues. Und klingt auch mit etlichen alten Klassikern im Repertoire nie altbacken oder abgenudelt. Keine Oldie-Mucke, sondern immer auf der Höhe, ganz weit oben. Wenn die Stimme auch nicht mehr so hysterisch hochkreischt wie einst, sind Timbre und Phrasierungen besser denn je. Und jede Note auf dem Punkt. Der 65-jährige Plant, den man sich mit seinen schulterlangen Locken, dem grau melierten Bart und den knittrig gegerbten Gesichtszügen auch gut in einem Ritter-Film vorstellen könnte, glänzt nach wie vor als exquisiter Sänger mit betörender Dynamik und gefühlvollem Ausdruck. Elegant stochert er mit dem Mikrostativ im tiefen Sägen des nagelneuen Songs „Turn It Up“ vom Album „Lullaby And … The Ceaseless Roar“, das im September erscheint.

Einen Abend mit „Country and Eastern“ verspricht Plant heute, wobei das Konzert das witzige Wortspiel dann noch weit übertrifft. Mit einer außergewöhnlichen Mixtur aus verzerrt psychedelisierendem Geriffe der beiden Gitarristen Liam Tyson und Justin Adams, den pochend puckernden Electronica des Keyboarders John Baggott, der arabisch/afrikanischen Melodik diverser Saiteninstrumente, die der Gambier Juldeh Camara spielt, und der raffiniert verdrehten Rhythmik vom Bassisten Billy Fuller und Drummer Dave Smith. Eine herausragende Band, die sich versteht auf den knarzenden Blues von Howlin’ Wolf oder Bukka White und zarte Folksongs zu Akustikgitarre und Mandoline, wie das berauschende „Going To California“ und „Babe I’m Gonna Leave You“ von Joan Baez. Zum Ende toben die etwa 5000 Besucher zum Erkennungsriff von „Whole Lotta Love“. Und man fragt sich: Wie machen sie das jetzt im Mittelteil mit der markanten Jimmy-Page-Gitarre? Das Original nachzuahmen, wäre blöde. Nein, Juldeh Camara spielt ein aufregend vielseitiges Solo auf der einsaitigen afrikanischen Fiedel. Toll. Umwerfendes Konzert.

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