Robert Redfords neuer Film : Die Kontrolle von heute

„The Company You Keep“ folgt den Lebensspuren von Terroristen.

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Forever blond. Robert Redford als der Ex-Linksradikale Jim Grant, der nach Jahrzehnten wieder gejagt wird. Foto: Concorde
Forever blond. Robert Redford als der Ex-Linksradikale Jim Grant, der nach Jahrzehnten wieder gejagt wird. Foto: ConcordeFoto: dpa

Vor der Vergangenheit kann man nicht fliehen. Man muss sich ihr stellen. Das war schon in den alten Western so, in denen nur der eine Held sein konnte, der auch für die Sünden und Fehler seines Lebens die Verantwortung übernahm – und notfalls mit dem Leben bezahlte. „The Company You Keep“ beginnt mit einem Schnelldurchlauf durch grobkörnige alte Nachrichtenbilder. Der Krieg in Vietnam. Demonstrationen in Washington. Bürgerrechtsbewegung, Black-PantherAktivisten. Krawall und Bomben.

Dann ein Sprung in die Gegenwart. Vierzig Jahre, weggewischt mit einem Wimpernschlag. Jim Grant, gespielt von Robert Redford, steht in seiner lichtdurchfluteten Küche, bereitet für seine kleine Tochter das Frühstück vor. Die Kamera schwenkt über Familienfotos. Anspannung liegt über der Idylle, ein Hauch von Endzeitstimmung. Grant, seit dem Tod seiner Frau ein alleinerziehender Vater, telefoniert mit dem Handy und bringt die Tochter zur Schule. Er weiß, dass seine ehemalige Genossin Sharon (Susan Sarandon) von einer martialisch ausgerüsteten Spezialeinheit der Polizei verhaftet wurde. Die Vergangenheit hat ihn eingeholt.

Robert Redford, einst der attraktivste Mann des Planeten, steht auch mit 76 Jahren noch immer für ein anderes, besseres Hollywood. Filme sind für ihn mehr als Kassenvehikel, sie müssen eine Haltung haben. Seine Zweitkarriere als Regisseur hat der Schauspieler relativ spät begonnen, in den letzten dreißig Jahren inszenierte er erst neun Filme. Er benutzt Genres, um den aktuellen Zustand seines Landes, der Vereinigten Staaten, zu kommentieren. Sein Drama „Von Löwen und Lämmern“ (2007), ein Flop, rechnete mit der Kriegspolitik der Bush-Regierung ab, zuletzt wandte sich „Die Lincoln-Verschwörung“ (2010) im Historiengewand gegen die Praxis von Militärgerichten. Warum der bekennende Linke nun mit „The Company You Keep – Die Akte Grant“ einen Roman von Neil Gordon verfilmt hat, liegt auf der Hand: Weil hier zu besichtigen ist, wohin die Radikalisierung der Linken geführt hat – in den Terror.

Nichts wird vergessen, alles gespeichert. Mord verjährt nicht – auch nicht Mord aus politischen Motiven. Das FBI sammelt seit Jahrzehnten Informationen über Grant und seine ehemaligen Kampfgefährten vom „Weather Underground“. Die Beamten kontrollieren Mobilfunknetze und Kreditkartentransaktionen, angesicht der Enthüllungen über die Datenkrake NSA wirken ihre Aktivitäten allerdings eher hinterwäldlerisch.

Auch Grant, der eigentlich Sloan heißt und ein zweites Leben als Anwalt im US Bundesstaat New York führt, hat nichts vergessen. Seine Vergangenheit hat er in Form von ein paar alten Fotos in eine Plastikhülle gesteckt und in seiner Wohnung versteckt, zusammen mit falschen Papieren für die Flucht.

Mit dem FBI nimmt es Grant zunächst spielend auf. Doch seinen eigentlichen Gegenspieler, einen von Shia LaBeouf verkörperten Reporter der Lokalzeitung „Albany Sun Times“, wird er nicht so einfach los. Dieser Ben Shepard, ein kaugummikauender, dreitagebärtiger Faktenchecker und Fährtenleser im Trenchcoat, wirkt wie die jüngere Zweitausgabe des Ex-Anarchisten. Nur beruft er sich auf keine Moral. Sein Ehrgeiz ist größer als das Gewissen. Um Hinweise zu bekommen lässt er sich auf einen Flirt mit einer FBI-Frau und auf eine Liaison mit der Tochter eines Polizisten ein. Mit dem provinziellen Chefredakteur befindet er sich im Kriegszustand.

Die altmodische Art, mit der Redford die Charaktere einführt, ist so rührend wie großartig. Dann verliert sich „The Company You Keep“ in den Konventionen einer Verfolgungsjagd. Das FBI und der Jungreporter verfolgen Grant. Und Grant verfolgt die einstige Anführerin seiner Gruppe. Mimi weiß, dass er nicht geschossen hat, als bei einem Banküberfall ein Wachmann starb. Gespielt wird Mimi – ein Besetzungscoup – von Julie Christie. Sie ist über 70, eine strahlende Schönheit, schmuggelt Marihuana auf ihrem Segelboot und glaubt immer noch an die Parolen vom Kampf gegen das „System“. Die Spur führt zu einem alten Unterschlupf, der Showdown findet in der Wildnis statt.

In neun Berliner Kinos; OmU im Rollberg, OV im CineStar Sony Center

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