Roman-Thriller „Water“ von Paolo Bacigalupi : Aus den Seiten steigt die Hitze auf

In seinem Thriller „Water“ beschreibt Paolo Bacigalupi ein dystopisches Amerika kurz vor dem Verdursten.

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Untergehende Welten sind sein Spezialgebiet: Der amerikanische Autor Paolo Bacigalupi.
Untergehende Welten sind sein Spezialgebiet: Der amerikanische Autor Paolo Bacigalupi.Foto: JT Thomas Photography

Untergehende Welten sind sein Spezialgebiet. Der amerikanische Autor Paolo Bacigalupi inszeniert seine Kriminalromane gern in zugrunde gehenden oder zerstörten Landstrichen der nahen Zukunft. In seinem neuen Thriller „Water“ haben große private Wasserversorger den amerikanischen Südwesten untereinander aufgeteilt und lassen ihre Herrschaftsgebiete von privaten Armeen bewachen. Sandstürme verwehen Großstädte wie Phoenix, Texas ist zur unbewohnbaren Wüste geworden. Söldner kämpfen um Zugänge zu den Wasserreservoirs des Colorado.

Einer von ihnen ist Angel Velazquez, er gehört der Wasserbehörde von Nevada an und ist als Held dieser Geschichte mit recht grobem Strich gezeichnet. Velazquez ist einem kriminellen Handel mit Wasserrechten auf der Spur. Während die ausgetrockneten Vorstädte von Phoenix abbrennen, tut er sich mit einer Journalistin zusammen – heiße Liebe in dehydrierten Zeiten. Im zweiten Erzählstrang beschreibt Paolo Bacigalupi mithilfe der Lebensgeschichte der jungen Maria, wie es Dürre-Flüchtlingen aus Katastrophengebieten ergeht, die es nach Phoenix geschafft haben: Anstehen für ein paar Schlucke Trinkwasser an den letzten Pumpen einer Sozialstation, dann anschaffen, um das Geld für einen Schlepper zu verdienen, der einen in den wasserreichen Norden bringt.

Gut leben lässt es sich im Südwesten nur noch in sogenannten Arkologien – von der Außenwelt abgeschlossenen, ökologisch perfekten Kunstwelten für die Angestellten der Wasserversorger. Der Großteil der Stadt ist eine brandgefährliche No-go-Area, die von Gangs kontrolliert wird. Paolo Bacigalupi braucht ziemlich viele Seiten, um seine Handlungsstränge übersichtlich zu ordnen. Dann aber steigt aus den Seiten von „Water“ eine so große Hitze auf, dass man auf der Haut zu spüren meint, wie Arizona zur Hölle wird.

Paolo Bacigalupi: Water. Der Kampf beginnt. Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Müller. Blessing Verlag, München 2016. 462 Seiten, 19,99 €.

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