Kultur : Rote Sonne, roter Wein

„Marcello, Marcello“ von Denis Rabaglia, eine zauberhafte Sommerkomödie aus Italien

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Foto: Senator
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Die Sonne so golden, das Meer so blau, malerisch in zartrosa und gelb die Häuser des kleinen Fischerorts, ein Leuchtturm darf nicht fehlen, auch nicht das Fischerboot, ein paarmal kräht ein Hahn, und aus dem Off raunt eine Stimme von Liebe und Hass. Wer das Klischee italienischer Liebes- und Lebensromantik sucht: So sieht es aus.

Denis Rabaglia, Regisseur von „Marcello Marcello“, schwelgt bewusst in Italianità. Ein Schweizer darf das – erst recht, wenn er durch den Publikumshit „Azzurro“ (mit dem berühmten Lied von Paolo Conte) ausgewiesen ist. Auch „Marcello Marcello“ bietet, im malerischen Setting Süditaliens der fünziger Jahre, alles, was das nördliche Sehnsuchtsherz begehrt. Und ist damit ein schwungvoll-zauberhafter Sommerfilm.

Da ist also Marcello, der Fischersohn (Francesco Mistichelli in seinem Leinwanddebüt), dunkeläugig-verträumt und stolz dazu. Auf die Uni will er nicht, sondern lieber Fischer werden wie sein Vater, und von dem albernen Brauch, dem zufolge die Jungs für ihr erstes Date am 18. Geburtstag der Auserwählten nachmittags um drei bei deren Vater anhalten mögen, hält er schon gar nichts. Zu viel Unglück habe die Tradition über das Dorf gebracht, die gescheiterte Ehe seiner Eltern zeugt davon. Bis die schöne Bürgermeisterstochter Elena (Elena Cucci) auftaucht – Elena, die Atemlose, wie die Asthmakranke genannt wird. Plötzlich läuft Marcello die Zeit davon. 24 Stunden, um ein Geschenk für den Bürgermeister zu finden. 24 Stunden, in denen er das Dorf auf den Kopf stellt.

Klack, klack, klack – Marcello springt die Zickzacktreppe zum Hafen hinunter und muss Aufgabe für Aufgabe erfüllen: Den Hahn, dessen Geschrei den Bürgermeister stört, gibt es nur gegen zwei Flaschen Limoncello der Schwestern Palmieri, diese Flaschen nur im Tausch gegen deren Brautkleider, die Kleider nur gegen eine Pistole, mit der einst den Bruder der Schneiderin erschossen wurde, die Pistole nur gegen die Rock-’n’-Roll- Platten des Frisörs, und die rückt der Pfarrer erst raus, wenn Marcello ihm seine beste Sängerin wieder in den Kirchenchor bringt … Das alles geschieht mit viel Tempo und liebevoller Zeichnung der Nebenfiguren – Marcellos Freund Pasquale (Luigi Petrazzuolo) etwa legt einen filmreifen Anfall von Teufelsbesessenheit hin. Am Schluss sind die Karten im Dorf erfreulich neu gemischt, auch Marcello ist am Ziel. Darauf einen Campari im Sonnenuntergang. Christina Tilmann

Capitol, Cinema Paris, Cinemaxx, Filmtheater am Friedrichshain, Kulturbrauerei, Passage

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