Kultur : Saarbrücken liegt gleich nebenan

Icke & Co.: Das Filmfest „Achtung Berlin“.

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Neue Heimat. „Puppe, Icke & der Dicke“ von Felix Stienz. Foto: Achtung Berlin
Neue Heimat. „Puppe, Icke & der Dicke“ von Felix Stienz. Foto: Achtung Berlin

Nach Berlin sieht die pittoreske Kleinstadthölle hier so gar nicht aus, die Heimat der 13-jährigen Johanna (Elisa Essig), die ihrem Schläger von Vater (Peter Lohmeyer) zu entkommen sucht – am liebsten in die erste Liebe. Und auch Kirsi Marie Liimatainen, die mit „Festung“ einen Familienfilm der ziemlich anderen Art gedreht hat, kommt nicht etwa aus Berlin, sondern aus Tampere und war im fernen Finnland jahrelang Schauspielerin, bevor sie an der Potsdamer Filmhochschule Regie studierte.

Macht aber gar nichts. Denn das Festival „Achtung Berlin“ hat sich schließlich neuem deutschen Kino „aus Berlin und Brandenburg“ verschrieben – und passt da nicht Potsdam, und landet alles Gute nicht irgendwann sowieso in Berlin? Und tatsächlich, die sensible Studie darüber, wie hier eine junge Außenseiterin herauskommt aus der Festung des Schweigens, in der der Vater sein Schreckensregiment etabliert, geht ans Herz. Und ins Gedächtnis: Weil hier nicht schrille Plot Points den Ausbruch markieren, sondern weil Liimatainen so behutsam ans Werk geht. Und wegen einiger zauberhafter Allererste- Liebe-Dialoge.

„Festung" hat im Januar beim MaxOphüls-Nachwuchsfilmfest in Saarbrücken (noch ein Vorort von Berlin!) den Preis der Jugendjury bekommen – und „Puppe, Icke & der Dicke“ dort den Publikumspreis. Regisseur Felix Stienz, Jahrgang 1982, mag zwar Medien und Informatik in Offenburg studiert haben, lebt aber längst in Berlin – und prompt steckt die Herzensheimat hübsch kokett im Titel seines Debüts. Der Icke-Berliner darin ist ein Kurierfahrer namens Bomber (Tobi B.), die Puppe heißt eigentlich Europe (Stephanie Capetanidis) und ist Französin und blind und von einem Berliner Müllmann schwanger. Und einen Dicken gibt es in diesem höchst absichtsvoll aus jeglicher Zeit stürzenden Roadmovie zwischen Paris und Berlin auch.

Jetzt aber die Infos: „Achtung Berlin“ gibt es im achten Jahr, läuft eine Woche lang in drei Berliner Kinos, hat einen Wettbewerb mit je zehn Spiel- und Dokumentarfilmen, und sorgfältig ausgewählte Kurz- und sogar Mittellangfilme gibt es außerdem. Los geht’s natürlich mit Icke & Co. Und da dürfen sich gleich alle Finninnen und Pariserinnen, alle Saarbrücker und Offenburger aber so was von zu Hause fühlen. Jan Schulz-Ojala

Babylon Mitte, FaF und Passage, 18. bis 25. April. Details: www.achtungberlin.de

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