• „Saint Amour“ auf der Berlinale: Gérard Depardieu brilliert als Bauer und Weintrinker

„Saint Amour“ auf der Berlinale : Gérard Depardieu brilliert als Bauer und Weintrinker

Auf der Berlinale ist Gérard Depardieu in der Agrarkomödie „Saint Amour“ zu sehen. Ein groteskes, poetisches, sentimentales Roadmovie. Auf dem Festival lobt er Putin und hackt auf französischen Komödienmachern herum.

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Gérard Depardieu mit Benoît Poelvoorde in „Saint Amour“.
Gérard Depardieu mit Benoît Poelvoorde in „Saint Amour“.Foto: Berlinale

Sie wären gerne Kühe. Alle drei. Geht aber nicht, sind ja Männer, die werden nicht trächtig. Sie können nur Bullen sein, sind aber eher Ochsen – bis sie dann doch noch zu Bullen werden. Tja, Kraut- und Rüben-Metaphern wie diese kommen dabei raus, wenn eine Komödie auf der Pariser Landwirtschaftsausstellung beginnt.

Grüne Woche im Spielfilm, darauf kann auch nur das französische Regieduo Benoît Delépine und Gustave de Kervern kommen, das auf der Berlinale zuletzt 2010 für seine kuriose Komödie „Mammuth“ im Wettbewerb gefeiert wurde. Darin brillierte Gérard Depardieu als Schlachter in Rente, der auf Motorradtour in seine Vergangenheit geht. Nun ist er Altbauer Jean, der im Morgendämmer vor der Messehalle steht und seinen Preisbullen Nebukadnezar striegelt, mit dem er den Sieg zu erringen gedenkt. Sohn Bruno, gespielt von Benoît Poelvoorde, der zuletzt als Gott in der Satire „Das brandneue Testament“ zu sehen war, ist wegen was anderem hier. Zusammen mit einem Kumpel geht er auf „Weinreise“ durch die Halle und schluckt, was Loire und Languedoc hergeben. Am Ende folgt der Katzenjammer.

Berlinale 2016 - Der Wettbewerb
24 WochenDas zweite Kind der Kabarettistin Astrid und ihres Mannes und Managers Markus wird, wie das Paar erfährt, nicht gesund zur Welt kommen. Zwischen anfänglichem Optimismus und wachsenden Sorgen erkennt Astrid, dass sie allein eine aller Leben betreffende Entscheidung treffen muss. Vor drei Jahren hatte die in Erfurt geborene Anne Zohra Berrached mit „Zwei Mütter“ ihr Debüt auf der Berlinale, mit ihrem Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg stellt sie nun den einzigen deutschen Beitrag im Wettbewerb. D, 102 Min., R: Anne Zohra Berrached, D: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Johanna Gastdorf, Maria DragusWeitere Bilder anzeigen
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02.02.2016 15:1124 WochenDas zweite Kind der Kabarettistin Astrid und ihres Mannes und Managers Markus wird, wie das Paar erfährt, nicht gesund...

"Papa, ich bin nicht schön“, heult er in einem Moment lichter Selbsterkenntnis, als ihn die Frauen abblitzen lassen. Das will Vater Jean nicht so stehen lassen und schleppt den frustrierten Filius, der zudem auch der Landwirtschaft verlustig zu gehen droht, mit auf eine echte Verkostungsreise. Per Taxi, dessen Fahrer Mike (Vincent Lacoste als Pariser Milchbubi) das wunderliche Trio komplettiert.

"Das Leben ist eine Furche"

Und los geht das groteske, poetische, sentimentale Roadmovie, das zu allerlei Vollräuschen, sexuellen Bruchlandungen und männlichen Demaskierungen führt. Sehr überzeugend, mit welch reduzierten Mitteln und würdevollem Charisma Depardieu den um mehr Nähe zu seinem Sohn ringenden Jean spielt. Dem Nebenerwerbswinzer glaubt man sogar vom Drehbuch etwas angestrengt auf Ackerbau und Viehzucht gemünzte Lebensweisheiten wie „Das Leben ist eine Furche, die nicht immer gerade verläuft“. Benoît Poelvoorde, dessen Bruno erwägt, die Landwirtschaft zugunsten eines Postens als Verkäufer im Gartencenter aufzugeben, ist ihm ein überaus würdiger Sparringspartner – das notgeile, sich ungeliebt fühlende arme Würstchen, wie es im Buche steht.

Zärtlich hässlich gezeichnete Kerle

Erstaunlich, wie liebevoll die Regisseure ihr verlorenen Kindern gleichendes Männertrio zwischen Frauenfiguren etablieren, die die Lage durchweg souveräner im Griff haben. Wie zärtlich hässlich sie die Kerle zeichnen. Und mit welcher Souveränität sie absurde Twists in der Story behandeln. Die witzige Episode mit Schriftsteller Michel Houellebecq etwa, der einen spinnerten Pensionswirt mimt. Und vor allem die Begegnung mit Vénus (Céline Sallette). Sie ist die schöne Erlöserin, die alle drei Männer von ihren emotionalen Gebrechen befreit. Ihre lebensspendende Fruchtbarkeit vor Augen, möchten sie alle Kühe werden. Oder wenn das nicht geht, dann Väter. Denn weit mehr als vom familiären Konflikt erzählt „Saint Amour“ von der Liebe. Zwischen Vätern und Söhnen und Vätern und Bullen.

20.2., 10 Uhr (HdBF), sowie 12 Uhr und 18 Uhr (Friedrichstadt-Palast), 21.2., 22.15 Uhr (Berlinale-Palast)

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