Kultur : Sanfte Tour

Katja von Garniers Pferdefilm „Ostwind“.

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Foto: Promo
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Nicht nur Tierfreunde waren schockiert, als in den letzten Wochen über Pferdefleisch-Lasagne berichtet wurde. Auch die Produzenten von „Ostwind“ dürften in Panik geraten sein. Kann man angesichts dieser News noch einen Film ins Kino bringen, der Pferde als Teil einer heilen Welt vorführt? Man kann, wenn man so geschickt vorgeht wie Katja von Garnier. „Ostwind“ ist ein sympathischer, etwas glatter Film, der die hässliche Realität nicht vollständig ausklammert. Der Hengst Ostwind entkommt nur dann dem Schlachthof, wenn er ein Turnier gewinnt. Man drückt ihm die Daumen, auch wenn Tierliebe eher nicht ans Leistungsprinzip gebunden sein sollte. Die Handlung: Sitzenbleiberin Mika (kraftvoll: die 13-jährige Hanna Binke) wird aufs Land geschickt; ausgerechnet sie, die noch nie im Leben geritten ist, gewinnt das Vertrauen des störrischen Hengstes. Er mag keine Zügel, keinen Sattel, also reitet Mika freihändig und kann dabei auch noch mit drei Apfelsinen jonglieren. Szenen, bei denen der Computer kräftig nachgeholfen hat.

Aber man ist nicht verstimmt, denn die Regisseurin erzählt ja eine Märchenkomödie, bei der Mika gleich zu Beginn ihr Zeugnis verbrennt und das Papier mehrere Stockwerke hinunter flattert, um das Auto des verhassten Lehrers in Brand zu setzen. Harry Potter lässt grüßen. Wie im Märchen gibt es auch das Böse, in Gestalt eines schwarz gekleideten Fleischhändlers aus Ungarn (!). Die meisten Erwachsenen sind Karikaturen: Jürgen Vogels trotteliger Vater, Nina Kronjägers Karrieremutti, Cornelia Froboess’ noch strengere Oma. Für die ehemalige Dressurreiterin gibt es nur die harte Tour, ob im Umgang mit Menschen oder mit Tieren. Mikas sanfte Tour erzielt größere Erfolge.

Mit „Ostwind“ ist Katja von Garnier ein bescheidenes, aber ansehnliches Comeback gelungen. Ihre Beziehungskomödie „Abgeschminkt!“ (1993) galt als große Hoffnung, ihr Frauenband-Roadmovie „Bandits“ (1997) dann aber als Inbegriff des seelenlosen Kommerzkinos. Seitdem hat sie überwiegend in den USA fürs Fernsehen gedreht und ihre Mittel verfeinert. Zu den überraschenden Qualitäten von „Ostwind“ gehören Kameraführung und Musik, beide durchaus auf Wirkung bedacht, aber niemals banal. Katja von Garnier ist im Mainstream zuhause – ein gehobener Mainstream, der im deutschen Film oft Mangelware ist. Frank Noack

In 20 Berliner Kinos

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