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Irrer ÖPNV-Wahnsinn! : Die geheimen S-Bahn-Protokolle von Senator Müller

05.02.2013 12:06 Uhrvon
Der tägliche Rapport: Wir haben gelauscht. Foto: dpaBild vergrößern
Der tägliche Rapport: Wir haben gelauscht. - Foto: dpa

Verkehrssenator Michael Müller ist mit seiner Geduld am Ende. Angesichts immer neuer Ausfälle bei der S-Bahn erwartet der Senator von Geschäftsführer Peter Buchner täglich um 9 Uhr einen persönlichen Bericht über den aktuellen Stand. Wir haben die erste Woche protokolliert.

Montag, 9 Uhr, das Telefon des Senators klingelt.

Krawuttke:  Ja, hier is Krawuttke, Fahrdienstleitung Ostkreuz. Herr Senator, ick melde jehorsamst, 452 Viertelzüje sind untawegs und wir ham keene...

Müller: Was soll das denn? Herr Buchner sollte mich persönlich unterrichten, und zwar in allen...

Krawuttke: Tut mir leid, Herr Senator, ick lass ihm det ausrichten, wa?

Müller: Unverschämtheit!

Dienstag, 9 Uhr, Müllers Telefon klingelt. 

Müller: Müller.

Vorzimmer Buchner, ich verbinde.

Buchner: Ja, hier Buchner, guten Morgen, was gibt’s?

Müller: Das sollen Sie mir sagen!

Buchner: Ach so, ja, wir haben momentan, danke, Frau Jennerwein, also wir haben momentan 439 Zugeinheiten draußen, Verspätungen so um die, also, es läuft so einigermaßen.

Kleinere Probleme bei S 25 und S 45, ach, und hier auf der S2 hakt auch was, die S1 liegt grad still, aber ich gehe davon aus, dass wir das bis heute nachmittag...

Müller: Das will ich hoffen. Und es kann so nicht weitergehen, das sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit!

Mittwoch, 9 Uhr, Müllers Telefon klingelt nicht.

Müller: Frau Schmitz, wo bleibt dieser Buchner? 

Schmitz: Hat grad eine Mail geschickt. Er musste zur europäischen Fahrplankonferenz nach Lugano, aber ein Herr Krawuttke kann Auskunft...

Müller: Bitte nicht der schon wieder.

Schmitz: Immer gern.

Mittwoch, 9 Uhr 30, Müllers Telefon klingelt.

Krawuttke: Krawuttke hier, Ostkreuz, Tach, Herr Senator, der Herr Buchner hat mir...

Müller: Machen Sie schon hin.

Krawuttke: Ja, also, wir ham da 451 Zucheinheiten uff de Schienen, wa, und die Pünktlichkeit, also, picobello. Sarickma.

Müller: Sagen Sie mal?

Krawuttke: Ja, also, ick sach ma, is nich hundertpro, wa, aber is schon bessa als jestern, det war ja voll die Katastrophe. Wenn ick det ma so saren darf.

Müller: Wenn Sie das so sagen. Wird das jetzt vielleicht mal irgendwann?

Krawuttke: Also, an mir sollet nich liejen, wa? Aurenblick ma, da is jrad irjendwat explodiert, ick melde ma!

Donnerstag, 9 Uhr, Müllers Telefon klingelt.

Buchner: Buchner.

Müller: Ah, zurück aus Lugano?

Buchner: Ja, klar, hat denn der Herr Krawuttke aus Ostkreuz...

Müller: Er hat. Bis was explodiert ist.

Buchner: Ja, richtig, da war so ein Expansionsgleichrichterdings oder so ...

Müller: Mir egal, wie das heißt! Wieviel Verspätung?

Buchner: Kann man so nicht sagen, weil, auf dem Ring lief gar nichts mehr, und das ist dann ja keine Verspätung, sondern ein Totalausfall. Ja, tut mir leid, ist dumm gelaufen, aber man steckt halt nicht drin.

Müller: Ich steck Sie aber gleich rein, wenn das so weiter geht!

Buchner: Hier bei der S-Bahn arbeiten auch nur Menschen.

Freitag, 9 Uhr, Müllers Telefon klingelt.

Krawuttke: Krawuttke hier, Herr Se...

Müller: (rennt schreiend aus seinem Büro) Frau Schmitz, schaffen Sie mir diesen Krawuttke aus der Leitung!

Sonnabend, 9 Uhr,  Müllers Privattelefon klingelt. Der Senator schreckt aus dem Bett hoch, nimmt das Telefon.

Müller: Müller.

Wowereit: Wowereit.

Müller: Mensch, Klaus, du bist’s.

Wowereit: Hallo. Wie ist das denn gelaufen mit der S-Bahn diese Woche?

Müller: Super, echt klasse. Ich glaube, dieser Buchner hat es endlich gerafft.

Wowereit: Na, dann schönes Wochenende!

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