Schauspieler Günter Junghans gestorben : König der Nebenrollen

Günter Junghans stieg zum Defa-Star und zum König der Nebenrollen auf. Er trat in 150 Film- und Fernsehproduktionen auf und gehörte 25 Jahre lang zum Ensemble der Berliner Volksbühne. Nun ist der Schauspieler mit 73 Jahren gestorben.

von und Christian Schröder
Horst Krause und Günter Junghans im "Polizeiruf 110"
Drehpause: Horst Krause (l) und Günter Junghans im "Polizeiruf 110" .Foto: dpa

„Mensch Werner, hau ab!“, ruft der junge Rekrut. „Die wollen Dich aufhängen!“ Im Defa-Kriegsfilm „Die Abenteuer des Werner Holt“ (Regie: Joachim Kunert nach dem gleichnamigen Roman von Dieter Noll) spielte Günter Junghans 1965 einen NS-Soldaten, wie er auch der SED gefiel. Er trägt zwar eine SS-Uniform, will aber nicht noch kurz vor der Kapitulation sterben für eine Idee, an die er ohnehin nie so recht geglaubt hat. Deshalb warnt er den Filmhelden, bevor er türmt. Ein paar Jahre später, 1983 in Frank Beyers Hermann-Kant-Verfilmung „Der Aufenthalt“ war Junghans dann als Gestapo-Kommissar zu sehen. Ein Bösewicht, der nicht die Seite wechselt.
Günter Junghans trat in rund 150 Film- und Fernsehproduktionen auf, meist in markanten Nebenrollen. Mit seiner großen, schlanken Statur, den lebhaften Augen und einer Stimme, die sowohl sächseln als auch berlinern konnte, prägte er sich den ost- und nach 1989 auch den westdeutschen Zuschauern ein. Der Sohn einer Handwerkerfamilie, 1941 in Leipzig geboren, absolvierte eine Schlosserlehre, stieß zur Agitprop-Gruppe „Rote Blusen“ und studierte an der Potsdamer Filmhochschule. Er spielte am Potsdamer Theater und ab 1969 an der Berliner Volksbühne, wo er mehr als 25 Jahre lang zum Ensemble gehörte.
Von Auftritten in der DDR-Krimiserie „Der Staatsanwalt hat das Wort“ und „Polizeiruf 110“ – darunter in der legendären Folge „Der Kreuzworträtselfall“ – führte der Weg nahtlos zum „Tatort“ und zur „Soko Wismar“. In Helmut Dietls Mediensatire „Schtonk“ hatte der Darsteller eine Kleinstrolle, in der ARD-Serie „Weissensee“ spielte er einen Stasi-Oberst. Im Kinodrama „Jadup und Boel“ (Regie: Rainer Simon), das 1980 von der Partteinomenklatura verboten wurde, war er an der Seite von Kurt Böwe und Gudrun Ritter zu sehen. Günter Junghans ist am Sonntag mit 73 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Krankenhaus bei Berlin gestorben, wie seine Schauspieleragentur mitteilte.