Schauspielerin Ursula Diestel gestorben : Barlogs Entdeckung, Signorets Stimme

Sie war die letzte Schauspielerin aus dem legendären Nachkriegsensemble des Berliner Schlosspark- und Schillertheaters. Sie drehte mit Hildegard Knef, Robert Vaughn, Martin Held und trat in Ulrike Meinhofs Fernsehspiel "Bambule" auf. Jetzt ist Ursula Diestel mit 95 Jahren in Berlin gestorben.

Schröder, Christian

Ihren berühmtesten Film hat kaum jemand gesehen. In "Bambule", einem Fernsehspiel über die himmelschreienden Verhältnisse in einem West-Berliner Mädchenheim, spielte Ursula Diestel die Mutter des Mädchens Irene, die vor diesen Verhältnissen davonläuft. Das anklägerische Fernsehstück, das Eberhard Itzenplitz 1970 inszenierte, landete ein Vierteljahrhundert lang im Giftschrank, weil Ulrike Meinhof das Drehbuch geschrieben hatte, die bald darauf in den Untergrund gegangen war. Hauptberuflich war Ursula Diestel, 1920 in Berlin geboren, eine Theaterfrau. Sie gehörte zum legendären Nachkriegsensemble am Berliner Schillertheater, zusammen mit Stars wie Antje Weisgerber, Berta Drews, Martin Held und Carl Raddatz. Ihr Debüt hatte sie 1942 unter Gustaf Gründgens auf der Bühne des Staatstheaters am Gendarmenmarkt gegeben. Nach dem Krieg holte Intendant Boleslaw Barlog sie ans Schlossparktheater und an das 1951 wiedereröffnete Schillertheater. Ihre markante Stimme machte Diestel zu einer gefragten Synchronsprecherin, etwa als deutsche Stimme von Simone Signoret. 1949 trat sie in Kurt Maetzigs Defa-Familienchronik "Die Buntkarierten" auf. Mit Hildegard Knef war sie in Wolfgang Staudtes Algerien-Kriegsfilm "Madeleine und der Legionär" zu sehen. Und in der Fernsehserie "Wie gut, dass es Maria gibt" verkörperte sie ab 1989 die Haushälterin einer von Thekla Carola Wied gespielten Nonne. Nach einem Schlaganfall zog sich Ursula Diestel um die Jahrtausendwende von der Bühne zurück. Am Mittwoch ist sie mit 95 Jahren in einem Berliner Altenheim gestorben.

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