Kultur : Sex, Lügen und Nichtigkeiten Zwei Liebeskomödien

aus Frankreich.

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Dass die Franzosen niemals müde werden, zumindest im Kino ihrem selbsterfundenen Image der ewig Liebesverliebten gerecht zu werden, ist erstaunlich genug. Noch erstaunlicher ist, dass sie sich selbst auch noch so gut dabei zu gefallen scheinen. Denn nach wie vor ist das französische Kinopublikum auf einheimische Produktionen abonniert. Der Enthusiasmus außer Landes aber dürfte sich bei „Mein liebster Albtraum“ und „Bezaubernde Lügen“ in Grenzen halten. Zwar sind hier Isabelle Huppert und dort Audrey Tautou dabei – aber Huppert arbeitet gegen eine uninspirierte Inszenierung an, während Tautou dem Affen so viel Zucker gibt, dass er einen hyperglykämischen Schock erleidet.

In „Mein liebster Albtraum" tut die Huppert das, was sie am besten kann: Als Modell-Bourgeoise und Galeristin zickt sie, ständig an der Grenze zum hysterischen Anfall, vor sich hin, tyrannisiert ihren Assistenten, ihren Ehemann, ihren Sohn und ihr sonstiges soziales Umfeld – bis sie auf jemanden stößt, der sich nicht an die ungeschriebenen Gesetze der Bourgeoisie hält und sie einfach auflaufen lässt. Natürlich verliebt sich die Galeristin in den Proll, und das nicht nur, weil die Söhne der beiden ziemlich beste Freunde sind. Der Verlauf der Geschichte ist absehbar: ein bisschen „Die Schöne und das Biest“, ein bisschen „Salz auf unserer Haut“, dazu elegante Sentenzen des von André Dussolier gespielten Ehemanns: „Wir leben in der Antarktis“, sagt er einmal, „und dann und wann treffen wir uns mit anderen Pinguinen.“

So oder ähnlich allerdings hat man das im französischen Kino immer wieder gesehen. Und so rattert „Mein liebster Albtraum“ auf eingefahrenem Gleis seinem Ziel entgegen, glatt und gefällig inszeniert von der gebürtigen Luxemburgerin Anne Fontaine. Audrey Tautou wiederum, die vor drei Jahren noch bei Fontaine die „Coco Chanel“ verkörperte, ist in Pierre Salvadoris „Bezaubernde Lügen“ erneut in der Verschönerungsbranche tätig. Als Friseurin Emilie wuselt sie ein wenig unbeholfen in einem bunt eingerichteten Provinzsalon herum, verehrt und mit einem anonymen Liebesbrief versehen von dem dort tätigen Haushandwerker Jean. Um ihre depressive Mutter zu trösten, gibt sie den schwungvoll formulierten Brief an diese weiter.

Was für eine ausgesprochen dämliche Idee! Leider erschließt sich auch im weiteren Verlauf deren tieferer Sinn nicht, weshalb man alsbald das Interesse am Ganzen verliert. Sofern man nicht ein eisenharter Audrey-Tautou-Fan ist, versteht sich. Daniela Sannwald

„Mein liebster Albtraum“ läuft im Blauer Stern Pankow, Cinema Paris (OmU) Cinemaxx, Kant, Kulturbrauerei, Passage und Titania Palast; „Bezaubernde Lügen“ im Casablanca, Cinemaxx, Colosseum und Filmkunst 66

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