Shah Rukh Khan : Bungeesprung vom Park Inn

Hochglanz-Trash: Shah Rukh Khan und sein Actionknaller „Don – The King is back“, der zum Teil in Berlin gedreht wurde. Die Gangstergeschichte läuft als Berlinale Special im Friedrichstadtpalast und ab nächster Woche auch im Kino

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Krawall im Knast. Nach seiner Flucht
Krawall im Knast. Nach seiner Flucht

Wie lautet des Superstars erstes Gebot? Genau: Wo ich bin, ist Welle. Und Welle ist, wenn Shah Rukh Khan auftaucht. Am roten Teppich vorm Friedrichstadt-Palast, wo die Verehrerinnen schon Samstagmittag nach seinen Berlinale-Auftritten 2008 und 2010 zum dritten Mal in der Winterkälte heißen Herzens auf Autogramme ihres angeblich im Anflug befindlichen Helden hoffen. Am vergangenen Montag beim ersten Tag des Kartenverkaufs, wo die Fans die Tickets für seinen Festivalbeitrag „Don – The King is back“ in Rekordzeit aufkaufen. Die Tage darauf, wo ein Schnupfen die für Donnerstag geplante Anreise der Bollywood-Ikone verzögert. Und erst recht im Film selbst, in dem Shah Rukh Khan wie schon 2006 in „Don – Das Spiel beginnt“ wieder als Verbrechergenie die Leinwand kontrolliert. Und zwar auf seine unnachahmlich dreiste Weise in so gut wie jeder Sequenz.

Dass Superstars im Bollywood-Kino den Superverbrecher Don spielen, hat schon seit Erscheinen des gleichnamigen Films von 1978 Tradition. Da nietete Amitabh Bachchan in der indisch aufpolierten Antwort auf amerikanische Blaxploitation-Filme als obercooler Gangster in Schlaghosen und Sonnenbrille reihenweise seine Feinde um.

Das 2007 auf der Berlinale gezeigte Remake und dessen jetziges Sequel von Regisseur Farhan Akhtar und Hauptdarsteller Shah Rukh Khan ist formelhafter Actiontrash, der gut gelaunt zwischen „Mission Impossible“, „Ocean’s Eleven“ und „James Bond“ herumschlingert. Immer eingebettet in die Hochglanz-Oberflächen aus schimmernden Designeranzügen, schnittigen Transportmitteln und vor allem ausdefinierten Körpern – Standard in einem mit asiatischen Mittelklässlern wie auch mit westlichen Sympathisanten kompatiblen Blockbuster made in Mumbai.

Dass diese herrlich hanebüchene und gerade deswegen in der ersten Hälfte der 140 Minuten sehr unterhaltsame Ausgabe über weite Strecken in Berlin spielt, hat sich schon seit den, unter großem Komparsenauftrieb und regem Faninteresse durchgeführten, Dreharbeiten im Herbst 2010 herum gesprochen. Ebenso, dass nicht nur das indisch-deutsche Produzentenduo, sondern auch die Berliner Tourismuswerber und das fördernde Filmboard Berlin-Brandenburg auf weltweite Strahlkraft der Ende Dezember in indischen Kinos gestarteten Produktion hoffen. Hierzulande läuft sie mit 40 Kopien am 16. Februar an.

Don, der zu Beginn des Films noch als zottelhaariger Drogenboss in einen überraschend weiß gekachelten Designerknast in Malaysia einfährt, hat es nach seiner glücklichen, mit der einzigen Tanzszene des Film gekrönten Flucht darauf abgesehen, die Euro-Druckplatten aus der Deutschen Zentralbank in Berlin zu stehlen. Ein Plot, der angesichts der europäischen Währungskrise gleich noch eine Spur komischer geworden ist.

Natürlich reisen die schon aus „Don 1“ bekannten Gegenspieler stante pede nach Europa hinterher: Priyanka Chopra spielt die stolze Polizistin Roma, der Don einst den Bruder erschossen hat, Om Puri den knorrigen Ermittler Malik. Und schon jagen Räuber und Gendarmen kreuz und quer an den in kühlem Look gefilmten Touri-Hotspots der Stadt vorbei und richten dabei reichlich Blechschaden an.

Im Gegensatz zum hiesigen Kino, wo man die Polizisten außer am Fastfoodmampf immer an Jeans und Anorak erkennt, sind in „Don 2“ selbst die deutschen Interpol-Mitglieder wie Florian Lukas als schnauzbärtiger Kommissar Jens Berkel wie aus dem Ei gepellt. Lustig auch, wenn Berkel beim großen Showdown in der von den Gangstern besetzten Zentralbank seine SEK-Einsatzkräfte mit Rufen wie „Herbert: go!“ anfeuert.

Ansonsten entspricht außer der Edelausstattung auch solide Old-SchoolAction wie der gute alte Faustkampf dem indischen Geschmack. Gern mit ordentlich Kawumm auf der Tonspur. Dass die Soundeffekte so gut zu hören sind, passt zur selbstironischen Attitüde, die den in der zweiten Hälfte deutlich an Tempo verlierenden Film genauso schmückt wie seinen Star. Der lässt es sich nach 20 Jahren im Filmgeschäft nicht mal nehmen, seinen jüngeren und schöneren Freund und Kollegen Hrithik Roshan als kleine Überraschungspraline für Freunde des Genres in den Film einzubauen.

Da kann es Shah Rukh Khan auch spielend ertragen, dass es die mit zwölf Millionen Euro vergleichsweise bescheiden budgetierten Bollywood-Spezialeffekte und Stunts noch nicht mit denen aus Hollywood aufnehmen können. Verglichen mit Tom Cruises prickelnder Kletterpartie am Glastower des Dubaier Hotels Burj Khalifa in „Mission Impossible 4“ nimmt sich sein Bungee-Sprung vom Park Inn am Alexanderplatz doch ein bisschen lahm aus. Da könnte des Superstars Welle gern größer sein.

12.2., 12 Uhr (Friedrichstadt-Palast)

Die Faustkämpfe entsprechen dem indischen Geschmack:

viel Kawumm auf der Tonspur

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