Sloterdijk attackiert Merkel : "Überrollung, Verwahrlosung, Lügenäther"

Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik wurden bereits von nationalkonservativen Intellektuellen wie Reinhard Jirgl, Botho Strauß und Rüdiger Safranski kritisiert. Peter Sloterdijk übertrifft ihre Äußerungen nun noch an Schärfe - und singt ein "Lob der Grenze".

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Peter Solterdijk
Peter SolterdijkFoto: dpa

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Arbeit der Medien scharf kritisiert. In einem Interview mit der Zeitschrift „Cicero“ warnte er, wenn die Regierung mit ihrer Politik des „Souveränitätsverzichts“ weitermache, sei eine „Überrollung Deutschlands“ nicht mehr aufzuhalten. Noch schlechter als die Politiker kommen bei Sloterdijk die Journalisten weg. Im Journalismus trete die „Verwahrlosung“ und die „zügellose Parteinahme allzu deutlich hervor“.

Die Presse ist gekauft

Das Bemühen um Neutralität sei gering, „die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an“. Die Presse ist Sloterdijk zufolge nicht bloß käuflich, sie lügt auch. „Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Krieges nicht mehr“, konstatiert der Kulturwissenschaftler, der bis 2015 die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe leitete. Seine Wortwahl erinnert an die „Lügenpresse“-Parolen der AfD und der Dresdner Pegida-Demonstranten.

Der 68-jährige Suhrkamp-Autor, bekannt für seine funkelnden, mitunter erratischen Metaphern, sieht Deutschland vor dem Untergang. Die Abdankung des Landes gehe Tag und Nacht weiter. Die von Sloterdijk angemahnte Souveränität lässt sich allerdings auch genau andersherum verstehen. Vielleicht war es ja gerade souverän, dass Merkel im Spätsommer die Grenzen weit offen ließ, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Sloterdijk prophezeit jedoch, dass diese Politik nicht gut enden könne. „Merkel wird zurückrudern“, glaubt er.

Rückkehr der Geopolitik

Das Lob der Grenze hätten die Deutschen nicht gelernt, konstatiert er weiter. In Deutschland glaube man, „eine Grenze sei nur dazu da, um sie zu überschreiten“. Innerhalb Europas schere Deutschland damit aus. „Die Europäer werden früher oder später eine effiziente gemeinsame Grenzpolitik entwickeln. Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.“ Das Wort vom „territorialen Imperativ“ klingt beeindruckend, aber es bleibt unklar, was genau gemeint sein könnte. Eine Rückkehr der Geopolitik? Die wilhelminischen Politiker glaubten, Deutschland müsse wegen seiner Mittellage aufrüsten, später ging es um den sogenannten Lebensraum.

Das Land wird geflutet

Lob der Grenze: Das klingt fast so, als könne es der Titel des nächsten Suhrkamp-Bändchens von Sloterdijk werden. Wie wär’s mit einer Sonderedition mit Stacheldraht-Applikation? Dem Nationalstaat prophezeit er jedenfalls ein langes Leben als das einzige, halbwegs funktionierende politische Großgebilde. Mit seinen Äußerungen stellt sich Peter Sloterdijk in eine Reihe mit nationalkonservativen Kritikern der Flüchtlingspolitik wie Reinhard Jirgl, Botho Strauß und seinem Freund Rüdiger Safranski. Der sprach von „Flutung“.

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