„Sommerhäuser“ im Kino : Bedrohte Idylle

Drei Generationen in einem Garten: Sonja Kröners Debütspielfilm „Sommerhäuser“ ist eine episodische Erzählung über den Jahrhundertsommer 1976.

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Sommerlicher Spaß: Opa Erich (Günther Maria Halmer) und Enkelin Inga (Anne-Marie Weisz) spielen "Mensch ärgere dich nicht". 
Sommerlicher Spaß: Opa Erich (Günther Maria Halmer) und Enkelin Inga (Anne-Marie Weisz) spielen "Mensch ärgere dich nicht". Foto: Prokino Filmverleih

Die Hollywoodschaukel, die Geranien, die kurze Kinderlatzhose – es ist dieses knallige Rot, bei dem man sofort die Siebzigerjahre assoziiert. Es ist Sommer, Hundstage, Gewitter hängen in der Luft, die Wespen fallen über den Obstkuchen her, eine Plage. Die Kinder zählen ihre Wespentöter-Erfolge, klettern aufs Baumhaus und erkunden das düstere Nachbargrundstück, draußen vor den Toren von München im Garten von Oma Sophie. Dort trifft sich die Familie, am Wochenende und gern auch in den Ferien.

Ein Blitz hat einen Baum gefällt, die Oma ist gestorben, die Frauen geben den Ton an. Sie meistern den Alltag , ob auf chaotische Weise oder in stiller Fürsorge, ob patent oder genervt – über drei Generationen. Sophies Schwiegertochter Frieda (Christine Schorn), die das Grundstück verkaufen will, die alleinstehende Ilse (Ursula Werner), ihre Schwester Mathilde (Inge Maux), die gern nackt sonnenbadet, Friedas Tochter Gitti (Mavie Hörbiger), Schwiegertochter Eva (Laura Tonke), die unerschrockene Enkelin Jana – sie alle machen gute Miene auf diesem „kleinen Fleckchen Paradies“, wie Ilse sagt. Und alle sind unglücklich, auf je eigene Weise.

Immer wieder wechselt die Perspektive

Die Münchner HFF-Absolventin Sonja Kröner skizziert in ihrem Debütspielfilm „Sommerhäuser“ ein deutsches Familienleben, eine episodische Erzählung über den Jahrhundertsommer 1976 – ein Jahr vor dem deutschen Herbst. Der weitläufige Garten in bunten Farben wird zur latent bedrohten Idylle, ohne dass Kröner die politischen Ereignisse der Zeit auch nur erwähnt. Im Radio ist von einem verschwundenen Mädchen die Rede, die Leiche wird bald in der Nähe gefunden.

Immer wieder wechselt Kröner die Perspektiven. Mal evoziert sie die Angstlust der Kinder, die sich vor dem mysteriösen Nachbarn gruseln, der Puppenköpfe im Gebüsch drapiert, um im nächsten Moment unbekümmert im Pool zu plantschen. Mal deutet sie die Dramen der Erwachsenen an, zum Beispiel die erstarrte Beziehung zwischen Frieda und ihrem passiven Mann, der sich gern mit Sprüchen wie „Man liebt, was man sich selbst befiehlt“ aus der Affäre zieht. Oder die Giftpfeile, die die nörgelnde Eva in Richtung ihres ähnlich passiven Ehemanns abschießt. Oder die heimliche Sehnsucht der ledigen Ilse, die für die Nachbarin Lippenstift aufträgt. Gemeinsam vertreibt man die Wespen, feiert Kindergeburtstag – und doch geht das Leben nicht einfach immer nur weiter.

Die Intensivierung der Miniaturen, die Verdichtung der Fragmente zu Chiffren eines Jahrzehnts oder der Keimzelle Familie gelingt Kröner jedoch nicht. Bei aller Beobachtungsgabe ist ihre Inszenierung häufig steif, unbeholfen. Hüpfball, „Fang den Hut“, Rasenmäher, Wasserpistole, lauernde Bässe, es bleiben Accessoires eines Lebensgefühls.

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