Sommersouvenirs (3): Lavendel : Der Duft der lila Insel

Urlaubsmitbringsel sind schön, selten, nützlich, überflüssig, trag- oder trinkbar. Nadine Lange erinnert sich beim unverwechselbare Geruch der Lavendelsäckchen an Begegnungen an der Adria. Teil 3 unserer Sommerserie.

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Unverwechselbarer Geruch: Lavendel. Getrocknet und in einem Säckchen im Kleiderschrank fängt er Urlaubserinnerungen ein. Foto: dpa
Unverwechselbarer Geruch: Lavendel. Getrocknet und in einem Säckchen im Kleiderschrank fängt er Urlaubserinnerungen ein.Foto: dpa

Im Hafen von Hvar liegen im Sommer dicht an dicht schöne Segelschiffe und klobige Monsterjachten. An der breiten Palmenpromenade herrscht immer Gewusel, selbst wenn gerade keine Fähre neue Urlauber ausspuckt. In der Nachbarbucht geht es schon deutlich unaufgeregter zu. Es gibt einen kleinen Kiesstrand, davor schaukeln Boote – und zwei, drei Souvenirstände drücken sich an eine Kirchenmauer. Hier saß vor zwei Jahren eine alte Frau mit schlohweißem Haar und sonnengegerbter Haut, neben sich einen Sack mit Lavendelblüten. Den ganzen Tag füllte sie sie geduldig in weiße Säckchen, die sie verschnürte und an ihren schlichten Holzstand hängte. Es wirkte, als sei diese Frau im Kittel schon Teil dieser Szenerie gewesen, als das Land, zu dem ihre schöne dalmatinische Inselheimat gehört, noch Jugoslawien hieß und Tito jeden Sommer beim Filmfestival in der Arena von Pula Hof hielt.

Der Lavendel blüht auf dem sonnigen Hvar, das ihm ideale klimatische Bedingungen bietet, von Ende Juni bis Anfang Juli. Ganze Landstriche bedeckt er mit seinem kräftigen Lila, weshalb Hvar auch den Beinamen Lavendelinsel trägt. Die Pflanzen werden zu ätherischem Öl oder zu Duftkissen verarbeitet und überall zum Verkauf angeboten. Als wir die Frau in der kleinen Bucht sahen, war klar, dass wir unseren gesamten Lavendel-Mitbringsel-Bedarf bei ihr decken würden.

Nicht nur wegen der moderaten Preise, sondern vor allem wegen ihrer ruhigen, würdevollen Ausstrahlung. Beim Betrachten ihrer Arbeit und während des sparsamen Gespräches, das sie mit uns führte, entstand für einen Moment die Illusion einer unmittelbaren Verbindung zu der Insel und ihren Menschen. Wobei es nicht ganz einfach war, den Gedanken an den lärmigen Strand nebenan zu verdrängen, der über und über mit Hüten, Flip-Flops und Plastik-Klimbim vollgestopft war.

Ein Jahr später auf der Nachbarinsel Korcula: In einer ruhigen, ansteigenden Straße etwas abseits des Zentrums hat eine mittelalte Frau ihr Lavendel-Angebot aufgebaut. Bei ihr gibt es längliche und rundliche Säckchen – auch sie füllt selber ab und erzählt gern über die Herkunft ihrer Pflanzen, wie es hier früher war und, dass es ihr vor dem Zerfall Jugoslawiens besser ging. Immerhin könne sie mit den Duftkissen etwas dazuverdienen. Wir decken unseren gesamten Lavendel-Bedarf bei ihr. Und wenn wir in den nächsten Wochen unsere Kleiderschränke öffnen, in denen ihre Säckchen ruhen, weht mit der Erinnerung an die Adria auch immer mal wieder das Bild von der freundlichen Frau am Wegesrand in den Berliner Alltag.

Mehr "Sommersouvenirs" unserer finden Sie über Weinflaschen im Handgepäck und mitgebrachten Büchern.

Für unsere zweite Sommerserie bleiben wir dieses Jahr in Berlin und entdecken "Berliner Höfe".

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