Kultur : Sorge dich nicht, lebe

Larissa Trübys Dokumentation „Glücksformeln“

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Philosophen beschäftigt das Glück seit Jahrtausenden. In der Psychologie sah das lange anders aus. Doch seit einiger Zeit beschäftigen sich in den USA auch Psychologen, Mediziner und Sozialwissenschaftler mit dem Phänomen individuellen Wohlbefindens. Spätestens seit dem Boom der Hirnforschung ist die professionelle Beschäftigung mit dem Glück auch hierzulande verbreitet und hat eine große Anzahl von Büchern hervorgebracht. Diese Woche kommt mit „Glücksformeln“ eine Filmdokumentation dazu.

Regisseurin Larissa Trüby hat Glücksexperten aus den USA, Kanada und Berlin befragt und stellt ihnen diverse Amateure der Disziplin gegenüber: Zwei Gymnasiasten, ein Kulturwissenschaftler, eine Malerin, zwei Ex-Entwicklungshelfer und ein Rentner. Manchmal ist der Übergang zwischen Profi- und Laientum fließend, etwa bei einem Pärchen, das sich in neurolinguistischer Programmierung betätigt. Und die Paartherapeuten Julie und John Gottman stellen genüsslich ihre eigene gelungene Beziehung aus. Der konzeptuelle wissenschaftliche Hintergrund, vor dem sie operieren, bleibt bei den Gottmans allerdings so unklar wie bei den anderen Experten, deren Erläuterungen zu kurzen Sentenzen zusammengeschnippelt sind und statt der Klärung begrifflicher Hintergründe eher Lebenshilfe-Niveau haben.

Bizarr wird es bei der Präsentation teilweise bekannter Studien, die regionale Differenzen des Glückserlebens statistisch erfassen wollen und kritiklos reproduziert werden. Der Film wirft in der Auswahl seiner Protagonisten den Blick nicht über ein höchst begrenztes Milieu kulturbeflissenen westlichen Mittelstands hinaus. So ist die mit einer kräftigen Dosis genreüblichen Piano- und Gitarrenklimperns und Ausblicken in Wolken und Berggipfel gewürzte Dokumentation leider eher ein überflüssiges Beispiel der Kategorie Wellness-Kino. Silvia Hallensleben

Filmkunst 66, Moviemento, Union Filmtheater

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