Spectrum Concerts im Kammermusiksaal : Biss in den Butterkuchen

Flirrende Musik, träumerische Dramatik, Gänsehautvibrato: Ein Konzert der Reihe Spectrum Concerts mit Debussy oder Ravel im Kammermusiksaal.

Tomasz Kurianowicz
Ya-Fei Chuang und Robert Levin vierhändig am Klavier.
Ya-Fei Chuang und Robert Levin vierhändig am Klavier.Foto: Spectrum Concerts

Ist das wirklich ein Kammerkonzert? Starke Zweifel setzen ein, wenn man im Kammermusiksaal die Augen schließt und Ya-Fei Chuang und Robert Levin „En blanc et noir“ von Claude Debussy für zwei Klaviere spielen hört. Diese Musik wirkt so stimmig und präzise, als säße da nur ein Pianist. Das liegt daran, dass sich die Künstler vom Projektensemble „Spectrum Concerts“ allein auf das Innenleben der Stücke konzentrieren und im Rückzug auf das Wesentliche jene Tonsprache erschaffen, die sich kompromisslos dem großen Spannungsbogen fügt: den fliegenden Trillern, den rauschhaften Legato-Passagen und den betäubenden Läufen. Bei diesem Konzert, das sich der französischen Musik widmet, obsiegt blinde Kommunikation.

Und es wird noch besser! Denn bei Maurice Ravels Trio treten neben Ya-Fei Chuangs Klavierspiel noch die satten Geigentöne von Marianne Thorsen und die furiosen Cello-Künste von Jens Peter Maintz. Ein Wunder, wie viel Zauber diese drei Musiker in dem Werk entdecken: tanzende Punktierungen, eine an Jazz erinnernde Rhythmik, Leidenschaft. Besonders der grandiose dritte Satz, die Passacaille – die ein musikalisches Stimmengewitter entfaltet – erlaubt einen Eindruck von den dramaturgischen Fähigkeiten dieses Ensembles. Das mag auch an Maintzens bravourösem Spiel liegen: Der Cellist gewinnt seinem Instrument die fantasievollsten Klangvariationen ab – und ein Vibrato, das von der ersten Sekunde an Gänsehaut verbreitet. Daran knüpft Marianne Thorsen an: ihr Bogenstrich wirkt wie ein Biss in einen saftigen Butterkuchen, der die Außenwelt für einen Augenblick vergessen macht.

Ein Eindruck, der sich zum Ende hin verdichtet. Bei Gabriel Faurés zweitem Streichquartett, zu dem Bratschist Philip Dukes auf die Bühne kommt, wird ein temporeiches Finale geliefert, ganz jener träumerischen Dramatik verpflichtet, die die französische Musik des 19. Jahrhunderts von der deutschen Romantik unterscheidet. Der Einsatz der vier Musiker schält einen Klang voller schwebender Wendungen heraus. Die Musik fängt an zu flirren, zu vibrieren und zu tanzen, sodass der Besucher nicht anders kann, als dem Zusammenspiel dieses grandiosen Ensembles restlos zu erliegen. Mit einem Wort: Chapeau!

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