Kultur : Spuk in Suburbia

Guter alter Horror-Schocker: „Insidious“

Martin Ernst

Mit dem Namen James Wan hat man bisher nicht gerade Horror der subtilen Art verbunden. Doch „Insidious“ des australischen Regisseurs, der 2004 mit dem Splatter-Thriller „Saw“ bekannt wurde, ist tatsächlich der „oldfashioned creepy chiller“, den er letztes Jahr in Toronto angekündigt hatte. Stilistisch ein klassischer Gruselschocker, beginnt der Film als Geschichte vom Spukhaus irgendwo in Suburbia. Hier ziehen Josh (Patrick Wilson) und Rennai (Rose Byrne) mit ihren drei Kindern ein – und schon fliegen Türen auf, erscheinen Gesichter in den Vorhängen, knistert diabolisches Flüstern durchs Babyphone. Als Sohn Dalton nach einem Sturz in ein rätselhaftes Koma fällt und die Ereignisse sich ins Unerträgliche steigern, drängt die Mama auf den Auszug. Doch was, wenn nicht das Haus von dämonischen Wesen heimgesucht wird, sondern Dalton selbst?

Die falsche Fährte ist nicht die letzte perfide Wendung, mit der „Insidious“ seinen Zuschauern auflauert. Wobei Leigh Wanells Drehbuch nicht nur eifrig aus der Schauer-Tradition zitiert, sondern auch mit hübschen eigenen Ideen überrascht. Zumal man aus neueren Schockern wie „Paranormal Activity“ (dessen Regisseur Oren Peli wirkt hier als Produzent mit) weiß: Das Böse klebt nicht nur an einem Ort. „Insidious“ führt geradewegs in einen nebligen, David Lynch-artigen Limbus, in dem Showdown und Offenbarung aufeinander zu laufen.

Ein leiser Horrorfilm ist Wan da gelungen, ein handwerklich perfektes Genrestück, das seine Regeln mit Kennerschaft vorexerziert – vom subtilen Spannungsaufbau bis zum verstörend schwirrenden Geigenstaccato. Und der finale Twist? Macht Gänsehaut und ist mindestens so „hinterhältig“, wie der Filmtitel es verspricht. Martin Ernst

In elf Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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