• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Stadtplanung : Berlin hebt ab

19.01.2012 08:55 Uhrvon

Die Traufhöhe wird Berlin auch künftig prägen, die Architektur der modernen City braucht aber auch Hochhäuser. 2012 markiert eine Zäsur in der Entwicklung des Verkehrsknotens Berlins: mit der Eröffnung des Großflughafens und der Frage der Nutzung von Tegel und Tempelhof.

Mit der Eröffnung des Großflughafens Berlin Brandenburg beginnt für Berlin eine neue Ära der Stadtentwicklung. Nach zwei Jahrzehnten Wiederaufbau als Bundeshauptstadt und Überwindung der Teilung erwarten die Stadt jetzt Jahre und Jahrzehnte wirtschaftlicher Entfaltung und städtebaulicher Neugestaltung, so dass Berlin seiner Bestimmung als Metropole gerecht werden kann. Auch mit Blick auf die IBA 2020, für die sich der neue Senator für Stadtentwicklung Michael Müller starkmacht.

Die „Bestimmung Berlins“ ist die einer „Kolonialstadt“, urteilte Karl Scheffler 1910 in seinem Buch „Berlin – ein Stadtschicksal“. Er fügte hinzu: „Trotz seiner Europäisierung und Amerikanisierung wird Berlin eine östliche Stadt auch ferner sein, abhängig im Wesentlichen von der Geschichte des Ostens.“ Der Osten Europas mit seinen weiten Perspektiven ist noch im Umbruch begriffen. Berlin, die Kolonialstadt mit Migrationshintergrund, muss sich erneut als Pionierstadt beweisen, als magnetischer Pol für Mittel- und Osteuropa. Der neue Großflughafen rechnet allein aus dem Nachbarland Polen mit 25 Prozent seiner Fluggäste. Durch die Insellage im Osten Deutschlands ist Berlin abhängiger von Luftbrücken und Fernverkehr als andere Großstädte wie München, Köln oder Hamburg, jene historischen Mittelpunkte ihrer bevölkerungsreichen Heimatregionen. Selbst die Architektur spricht dort Dialekt.

Berlin als die größte Stadt Deutschlands lebt hingegen nicht vom Umland, hat kein regionales Gesicht und Naturell. Dass sie von Geburt an Einwandererstadt ist, macht sie zur Allerweltsstadt. Mit historischen Abstürzen und Aufstiegen wechseln die Einwohner. Eingeborene sind in der Minderheit. So erfindet sich Berlin immer wieder neu.

Anlass für eine weitere Selbstfindung bietet das noch junge Jahr 2012, sei es im Ausblick auf die Eröffnung des Großflughafens, sei es mit den Rückblicken und Jubiläen, dem 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen, dem 775-jährigen Stadtjubiläum oder dem beginnenden Wiederaufbau des Stadtschlosses. „Die komplexe Geschichte“ sei es, die ihn immer wieder nach Berlin ziehe, hat Hollywood-Star Harrison Ford bei einer Filmpremiere am Potsdamer Platz einmal erklärt. Besucher aus aller Welt bestätigen das, bei aller Neugier auf das hippe, junge Berlin, die sie ja ebenfalls mitbringen. Vor dem Roten Rathaus hat der U-Bahnbau Gewölbe des ältesten Berliner Rathauses freigelegt und ist auf verschollene Skulpturen „entarteter Kunst“ gestoßen. Es lohnt, unter dem verbliebenen Freizeitpark der DDR-Staatsachse nach dem Ursprung der Stadt zu graben. Jedes exhumierte Haus birgt Geschichten aus dem christlich-jüdischen Altstadtgebiet. Ein Städtebauwettbewerb muss die Frage nach der Wiederbelebung des Stadtgrundrisses und dem Ob und Wie von Bauten, Plätzen und Grün beantworten. Berlin erwartet eine neue, aufregende Rekonstruktionsdebatte.

Zurück in die Zukunft: Ein ehrgeiziges Projekt ist die Metropolenbibliothek in Tempelhof. Das volksnahe Bildungs- und Kommunikationszentrum wird Berlin als Bildungsmetropole in ein neues Licht rücken, als Ort wegweisender Bibliotheksarchitektur. Als Nachbar des leerstehenden Zentralflughafen-Gebäudes wird die Bibliothek auch die Debatte um die „Mother of all Airports“ neu anfachen.

Der Umzug des Aliiertenmuseums nach Tempelhof in den Hangar 7 wäre der erste Schritt, mit der Erinnerung an die Luftbrücke und an Berlins große Luftfahrtgeschichte, den Mythos Tempelhof und seine im Speziellen „komplexe Geschichte“ lebendig zu halten. Als authentischer Ort und als eins der größten historischen Gebäude der Welt ist der Flughafen ein einzigartiger Ort, um Europas Beitrag zur internationalen Geschichte der Luft- und Raumfahrt zu präsentieren.

Alle Folgen von Jam’in’Berlin

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen aus der Kultur

Service

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Alle Tickets für Berlin und Deutschland bequem online bestellen!

Tickets hier bestellen | www.berlin-ticket.de