Starpianist Lang Lang in der Philharmonie : Er will doch nur spielen

Bei seinem Solo-Recital in der Berliner Philharmonie widmete sich der chinesische Starpianist Lang Lang erneut Mozart und ging bei Chopin in die Vollen.

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Pianist Lang Lang am Flügel.
Faxen am Flügel: Pianist Lang Lang, hier bei seinem anschließenden Auftritt bei der Bambi-Verleihung in Berlin.Foto: dpa

Drei Tage tüftelten sie auf dem Landsitz von Nikolaus Harnoncourt an Mozart, drei Tage nahm sich der Starpianist Zeit. „Das ist ein hochsensibler Musiker, es war die reine Freude!“, erinnert sich Harnoncourt, der daraufhin eine CD mit Lang Lang einspielte. Bei seinem Recital in der Philharmonie widmet sich der 32-jährige Pianist erneut Mozart, aber ohne Rückendeckung. Drei Sonaten als erste Konzerthalbzeit, das lässt auf Konzentration schließen, auf gereiften Gestaltungswillen, auf klare Ansagen. Lang Lang aber will nur spielen. Seine Freiheit, sich jeden Takt völlig neu entscheiden zu können, wirkt bald unfreiwillig ermüdend.

Nach der Pause ist der Kritikerkollege nicht mehr auf seinen Sitz zurückgekehrt. Die rundliche Russin, die dort nun statt seiner sitzt, ist völlig aus dem Häuschen. „Er macht so viele Faxen beim Spielen“, strahlt sie und schüttelt in ungläubiger Begeisterung immer wieder den Kopf. Tatsächlich geht Lang Lang mit Chopin nun in die Vollen. Ein intimer Salonmusiker soll der Komponist gewesen sein, der mit leuchtender Klarheit ins Dunkel der Seele hineinleuchtete?

Lang Lang greif Akkorde wie Karnickel aus dem Hut

Ach iwo, seine Balladen sind ein Zirkus, und aus jedem Farbwechsel lässt sich eine Nase ziehen. Lang Lang greift Akkorde heraus wie Karnickel aus dem Hut. Plötzlich baumeln sie da und blinzeln ins Rund. Ihr Urheber verbeugt sich vielmals, während beide Arme ins Publikum deuten, lässig und altmodisch zugleich, wie die Gesten eines Dompteurs, dessen Löwen gerade durch den Feuerring gesprungen sind. Noch zwei flotte Zugabenzuckerl, dann tänzelt er hinaus.

Am Morgen nach dem Konzert stellt Lang Lang sein Lehrwerk „Mastering the Piano“ in Berlin vor, das mit Lust und ohne Druck zum Klavier verführen will. Vom Vater hatte er noch den Rat erhalten sich umzubringen, falls er nicht am Konservatorium aufgenommen werde. Die Geschichte von Lang Lang ist die einer erfolgreichen Emanzipation.

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