Straßenmusikerduo Guaia Guaia : Rumpennern mit Plattenvertrag in Berlin

Seit drei Jahren leben Luis und Elias in Berlin auf der Straße, ohne Geld, aus Überzeugung. Als Guaia Guaia machen sie dort Musik. Nun erscheint mit "Eine Revolution ist viel zu wenig" ein Album mit ihren Liedern bei einem großen Majorlabel. Wie passt das zusammen?

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Aussteiger oder Produkt der Musikindustrie: Luis und Elias alias "Guaia Guaia" sind derzeit irgendwie beides.
Aussteiger oder Produkt der Musikindustrie: Luis und Elias alias "Guaia Guaia" sind derzeit irgendwie beides.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Eine Wohnung haben sie nicht. Nachts holen sie abgelaufene Lebensmittel aus den Mülltonnen der Supermärkte. Ihre Kleidung stammt aus Altkleidercontainern und ist meistens schmuddelig. Sie besitzen kaum mehr als ihre Instrumente, Schlafsäcke, Zahnbürsten, ein paar Klamotten und ihre Fahrräder: Carl Luis Zielke und Elias Gottstein, 23, beste Freunde, Straßenmusiker, Komponisten, Gründer und einzige ständige Mitglieder der Band Guaia Guaia, sind seit 2010 wohnungslos, nicht mehr krankenversichert, die Aufenthaltsorte wechseln, der Lebensmittelpunkt heißt Berlin.

 Das Leben auf der Straße hat ihre Musik geprägt. Guaia Guaia machen Musik mit Gitarre, Posaune und Beats aus dem Computer, tanzbare, schnelle Lieder mit eingängigen Refrains, deutsche Texte voller autobiografischer Geschichten und politischer Wut. Beim ersten Lied auf der neuen CD "Eine Revolution ist viel zu wenig" gibt eine Ziehharmonika leise die Melodie vor, dann setzen der Beat und Elias’ leicht quäkende Stimme ein: „Gangster machen Geld, doch nur ihrem Kiez, ich reise um die Welt, besuch das Paradies / Du willst nur alles, darum kriegst du nichts, ich häng mit meinen Jungs, du hängst nur am Besitz / Ich zahl keine Miete, du reißt dir ein Bein, ich tu nur was ich liebe, der Rest kommt von allein.“ Absolute Gewinner heißt der Song, und es ist klar, wen Luis und Elias damit meinen: „Die Sonne geht auf, die Welt geht unter, ich penn am Strand und seh ein Wunder / Mehr kann ich nicht gewinnen / mehr kann ich nicht gewinnen.“

Der Trailer zum Film über das Leben der Musiker:

 Vielleicht doch. Guaia Guaia hat noch mehr gewonnen. Kürzlich haben die beiden Obdachlosen das erreicht, wovon tausende Bands träumen. Sie wurden – wie man in der Musikbranche sagt – „gesigned“ vom großen Plattenlabel Universal Music. In wenigen Tagen erscheint mit "Eine Revolution ist viel zu wenig" ihre erste CD bei dem großen Label, ein Film über ihr Leben kommt in die Kinos, im Spätsommer sind sie auf Deutschlandtournee, im September stehen sie bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest in Mannheim vor einem Millionenpublikum auf der Bühne und vertreten Mecklenburg-Vorpommern.

Wenn alles gut geht, dann wird das der Sommer ihres großen Durchbruchs. Der Sommer, in dem zwei, die aus der Berliner Off- und Gegenkultur kommen, fröhlich eins werden mit dem kommerziellen Mainstream. Aber wie soll das zusammengehen, Schlafsack und Stargetöse, Penner und Glamour, Kunst und Verkaufen?

Das ganze Portrait über Guaia Guaia lesen Sie in unserer gedruckten Samstagsbeilage "Mehr Berlin" (alternativ: im E-Paper) am 22. Juni 2013.

 

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