Streit um Gedenken an die Wiedervereinigung : Deutschland braucht das Einheitsdenkmal

Das freudige Ereignis der Wiedervereinigung sollte den Abgeordneten des Bundestages etwas wert sein. Das Einheitsdenkmal darf nicht an Kleingeisterei scheitern.

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Blick auf die Berliner Schlossbaustelle mit dem ursprünglich vorgesehenen Standort des Denkmals.
Blick auf die Berliner Schlossbaustelle mit dem ursprünglich vorgesehenen Standort des Denkmals.Foto: dpa

Ein Denkmal für Freiheit und Einheit auf dem Logenplatz der deutschen Geschichte vor dem Berliner Schloss ist vom Bundestag beschlossen worden. Es kann nicht durch einen geheim gefassten Beschluss des Haushaltsausschusses aufgehoben werden. Es braucht einen Aufschrei! Selten haben alle Fraktionen des Deutschen Bundestages und die Staatsministerin für Kultur und Medien so unsensibel reagiert. Wollen wirklich alle Abgeordneten so leichtfertig auf das freudige Erinnern an die glücklichsten Tage der deutschen Geschichte verzichten? Sind ihnen friedliche Revolution, Mauerfall und Deutsche Einheit nicht einmal ein paar Millionen wert, wo wir doch ein Vielfaches von dem ausgeben, um Filme zu fördern, Kunsthallen zu bauen oder der negativen Seiten der deutschen Geschichte zu gedenken? Soll der leere Sockel des zerstörten Kaiser-Wilhelm-Denkmals davon zeugen, dass wir Deutschen mit unserer Geschichte immer noch nichts anzufangen wissen?

Dagegen steht die schon 1998 von vielen Persönlichkeiten in ganz Deutschland unterstützte Idee, den alten Sockel im Sinne Hegels aufzuheben und einer neuen Bestimmung zuzuführen. Die Gestaltung des Denkmals ist in einem geordneten Wettbewerb rechtsverbindlich mit der Entscheidung für den ziemlich genialen Entwurf von Sasha Waltz und den Architekten Milla und Partner entschieden worden. Es handelt sich dabei keineswegs um eine „Wippe“, wie viele Kommentatoren das Denkmal gern diskreditieren.

Warum lässt der Regierende Bürgermeister das zu?

„Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk!“ lautet die Widmung auf dem Sockel. Nicht König oder Kaiser, auch nicht Bärbel Bohley, sondern die Bürgerinnen und Bürger selbst erobern die neue Plattform und müssen miteinander in Kontakt kommen, wenn sie deren Neigung verändern wollen. Aber das ist mühsam und geht nur langsam, so ist Demokratie. Viel richtige Symbolik, für manche vielleicht zu simpel oder Bürgerpathos.

Die Diskussion um ein Nationaldenkmal darf nicht der Kunstschickeria überlassen werden. Und am Ende dürfen auch nicht Fledermäuse, detailversessene Denkmalschützer oder nicht immer sehr sinnvolle Sicherheitsanforderungen das letzte Wort haben. Warum lässt ein Regierender Bürgermeister von Berlin, der Stadtentwicklungssenator war, es zu, dass alle möglichen Gründe gegen das Denkmal so lange diskutiert werden? Er wäre doch der Erste, der sich für eine wirkmächtige und zugleich bürgernahe Gestaltung der Berliner Mitte und der Schlossfreiheit einsetzen müsste. Im Wettbewerb wurde nicht die „Verspieltheit“ des Entwurfs, sondern eher deren klassische Gediegenheit kritisiert. Aber genau so sollten sich Berlin und Deutschland auch seinen internationalen Gästen gegenüber darstellen.

Sollte es am Ende gar nicht ums Geld gehen?

Könnte es sein, dass es am Ende gar nicht ums Geld geht, sondern verschiedene unheilige Allianzen ein großes Projekt aus Kleingeisterei verhindern? Dazu gehören auch manche Bürgerrechtler, die Leipzig und Sachsen zum Mittelpunkt Deutschlands erklären wollen, indem nur dort ein Denkmal an die Leipziger Montagsdemonstrationen erinnern darf oder – wenn es dort nicht zustande kommt, wenigsten dasjenige in Berlin verhindert werden soll.

In Sachen nationaler Bedeutung kann nur der Bundestag selbst den einmal gefassten Beschluss wieder aufheben. Ich fordere die Abgeordneten auf, sich einer erneuten Diskussion zu stellen. Ich möchte mir nicht vorstellen, dass alle die Meinung der Haushälter teilen. Ich sage das auch aus Selbstschutz, weil ich nicht will, dass sich die AfD dieses Themas annimmt, um sich an entscheidender Stelle als Sachwalter nationaler Interessen zu profilieren.

Es geht auch nicht um einen neuen Anlauf, der wird ja nicht preiswerter oder besser. Notwendig ist die gewissenhafte Umsetzung des seit 1998 Diskutierten und Beschlossenen. Sollte es allerdings wirklich nur am Geld liegen, wäre das ein Armutszeugnis und ein Skandal ohnegleichen. Als Initiator kann ich mir zusammen mit der Deutschen Gesellschaft vorstellen, dass wir die zusätzlichen Kosten aus privaten Spenden decken. Menschen in Deutschland und außerhalb messen vielleicht dem Erfolg von Freiheit und Einheit eine größere Bedeutung zu als der Deutsche Bundestag. Aber wollen das die Abgeordneten wirklich?

Der Autor war Mitinitiator und Jurymitglied des Freiheits- und Einheitsdenkmals auf der Berliner Schlossfreiheit.

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